Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 6

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Hallo ihr Lieben,
ich habe meine Liste verpasster Filme doch mal wieder geschafft ein wenig zu verkürzen! Hier also wieder eine Reihe von Kurzkritiken.

1) Annie
Im Januar 2015 wurde das berühmte Musical über das Waisenkind Annie neu verfilmt. Annie lebt mit anderen Waisenkindern bei Miss Hannigan, die sie für sich putzen lässt und ständig anbrüllt. Bis eines Tages als PR-Aktion für den Bürgermeister genutzt werden soll. Annie ist ein buntes Musical, dessen Lieder noch tageland einen Ohrwurm hinterlassen. Zwischen viel Witz und Charme wird auch das ernste Schicksal der Waisenkinder thematisiert und wie groß der Unterschied zwischen arm und reich sein kann. Die Handlung selbst ist mitunter etwas überdreht und auch vorhersehbar, dafür gibt es Punktabzug. Aber im großen und ganzen verbreitet der Film gute Laune und dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

2) Verstehen Sie die Beliers?
Eine französische Komödie über eine taube Familie, in der lediglich Tochter Paula hören kann. Als Vater Rodolphe als Bürgermeister kandidieren will, soll Paula übersetzen. Diese hört aber auf ihren Musiklehrer, der ihr eine Karriere als Sängerin vorhersagt. Komödie ist bei diesem Film vielleicht die falsche Bezeichnung. Zwar verspricht der Trailer lustige Szenen, aber der Hauptaugenmerk des Films liegt auf der Distanz zwischen der tauben Familie und allen anderen nicht tauben. Hier gibt es immer wieder Differenzen, die nur Paula wirklich lösen kann. Sie ist entsetzt, dass ihre Familie sie anscheinend nicht als Tochter, sondern eher als Dolmetscherin sieht und nicht an ihre Träume glaubt, sondern sie eher dafür verachtet. Hier werden viele ernste Themen angesprochen, leider wird kaum ein Gedanke wirklich zu Ende gedacht, denn der Film verliert sich in Nebenhandlungen, die vom eigentlichen Plot stark ablenken. Dadurch verliert der eigentliche Spannungsbogen an Gewicht und der Film zieht sich wie Kaugummi. Hier wäre eine klarere Linie schön gewesen. Gelungen sind die Dialoge der Familie, da hier nur mit wenig Untertiteln gearbeitet wurde und der Zuschauer das „Gesagte“ der Familie meist nur durch Paulas Antworten versteht. In diesem Film steckt ein großes Potential, das leider nicht genutzt wurde. dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

 3) Nur eine Stunde Ruhe
Nach dem Erfolg von „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist Christian Clavier wieder in eine französische Komödie zu sehen. Auf einem Flohmarkt findet er eine seltene Schallplatte, die er zu Hause sofort hören möchte. Nur leider machen ihm seine Nachbarn, seine Frau, seine Affäre, sein Sohn, seine Putzfrau und die Handwerker einen Strich durch die Rechnung. Dabei wollte er doch nur eine Stunde Ruhe. Mit knapp 80 Minuten Laufzeit ist der Film sehr kurzweilig und schafft es doch ins absolut übertriebene abzudriften. Mitunter werden gesellschaftskritische Züge angeschlagen, doch wird kein Thema länger thematisiert, weswegen man dies aich ganz hätte weglassen können. Der Film hat zwar mitunter humorvolle Einlagen, aber im großen und ganzen ist er so stark abgedreht, dass er irgendwann auch nicht mehr witzig wirkt. Hier wäre mehr Potential drin gewesen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

4) Jurassic World
Drei Filme gab es über den berühmten Jurassic Park, in dem durch wissenschaftliche Experimente Dinosaurier in einer Art Zoo leben. In allen drei Filmen „rebellieren“ die Dinosaurier und das Projekt wird in Ruhe gelassen. Und doch scheint keiner dazu zu lernen. Denn im vergangenen Jahr wurden die Tore zu einem neuen Park geöffnet, zum Jurassic World Park. Der Park läuft gut, die Sicherheitsbedingungen scheinen zu funktionieren. Aber die Wissenschaftsabteilung musste ja den ultimativen Hybriden erschaffen. In Zeiten von Fortsetzungen, Remakes und Reboots war der Film vielleicht notwendig, aber wirklich überraschen kann die Handlung nicht mehr. Dafür können die Animationen umso mehr begeistern, denn der erste Film kam bereits 1993 in die Kinos. Im Fazit ist der Film gut umgesetzt, bietet aber wenig Neues. Das Alte ist einfach nur größer, böser, schlimmer. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

5) Cinderella
Disney scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben ihre Zeichentrickklassiker alle in Realverfilmungen neu in die Kinos zu bringen. So durften wir neben Malificent und dem Dschungelbuch inzwischen auch schon Cinderella erneut bestaunen. Und so verzauberte uns Disney 2015 mit dem bekannten Märchen Aschenputtel. Da die Handlung als bekannt ist, wurde das Augenmerk vorallem auf ein wirklich märchenhaftes Äußeres gelegt. Und es funktioniert. Denn obwohl die Handlung wenig neues zu bieten hat, verzaubert der Film auf ein Neues. Das liegt vor allem auch am Cast, denn eine Cate Blanchett als böse Stiefmutter ist furchteinflößend und eine Helena Bonham-Carter als gute Fee birgt ihren ganz eigenen Charme. Cinderella ist ein kurzweiliger Abstecher in eine märchenhafte Welt, bleibt aber im Gegensatz zu Maleficent und dem Dschungelbuch nicht länger im Gedächtnis. Dafür gibt es solide 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Son of Saul

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Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Son of Saul. Der Film lief am 10.03.2016 in den deutschen Kinos an.

Saul Ausländer ist ein ungarischer Jude, der ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht wurde und dort im Sonderkommando arbeitet. Seine Aufgabe ist es deportierte Juden zu vergasen und dann zu verbrennen. Doch eines Tages entdeckt er unter den Leichen einen Jungen, den er für seinen Sohn hält. Anstatt ihn zu verbrennen, will Saul ihn anständig begraben und sucht daher einen Rabbi, der das Kaddisch spricht.

Jeder Schüler in Deutschland verdrehte wohl mindestens einmal in seiner Schullaufbahn die Augen. Und zwar immer dann, wenn der Unterrichtsstoff wieder zum zweiten Weltkrieg und zum Holocaust führt. Die Aussage „Das ist so viele Jahre her, da war ich noch nicht einmal geboren. Wieso soll ich mich jetzt damit befassen und am Ende noch schuldig fühlen?“ ist wohl keine Seltenheit. Die Frage nach der eigenen Schuld soll hier nun aber nicht debattiert werden. Aber die Kräueltaten während des Holocaust bieten immer wieder Stoff für neue Filme. Und werden so immer wieder in die Köpfe der Menschen gedrückt, was gut ist. Son of Saul ist eine ungarische Produktion und gewann den Oscar als bester fremdsprachiger Film 2016. Gleichzeitig ist er wohl mit der schonungsloseste Film, der gar nicht primär die Taten der Deutschen verurteilt. Das muss er auch nicht, denn durch die Filmweise passiert das automatisch im Kopf der Zuschauer.
Der Film beginnt ohne große Einführung. Der Zuschauer bekommt lediglich die Erklärung eingeblendet, dass das sogenannte Sonderkommando eine ausgewählte Gruppe depotierter Juden ist, die von den Nazis gezwungen wurden im Konzentrationslager zu arbeiten. Dazu gehörte das Vergasen und anschließende Verbrennen anderer Juden. Nach ca. 5-6 Monaten wurde das Sonderkommando durch ein neues ersetzt und daher ebenfalls umgebracht. Während des gesamten Films bleibt der Zuschauer am Protagonisten Saul dran. Saul und das Sonerkommando führen depotierte Juden in einen Umkleideraum und sorgen dafür, dass sich alle entkleiden. Im Hintergrund hört man eine deutsche Stimme, die laut verkündet, dass alle zu duschen haben und das danach ein gutes Abendbrot auf sie warte. Die Juden werden in eine zweite Kammer geführt und die Türen werden verriegelt. Das Sonderkommando schafft inzwischen die Kleidung weg, allerdings nicht bevor sie auf Wertsachen durchsucht wurde. Im Hintergrund sind Schreie und das ununterbrochene Hämmern gegen die verriegelten Türen zu hören. Es gibt keine Erklärung, aber jeder im Kinosaal weiß: Die angebliche Dusche ist eine Gaskammer. Sobald die Riegel wieder geöffnet werden, muss das Sonderkommando die Leichen zum verbrennen transportieren. Dabei wird ein Junge gefunden, der die Vergasung wie durch ein Wunder überlebt hat. Das ganze interessierte die Nazi-Ärzte brennend, und so wird der Junge zwar direkt erstickt, aber gleichzeitig zur Obduktion gebracht. Saul meint jedoch den Jungen als seinen Sohn zu erkennen. Er rettet ihn vor der Obduktion und versteckt die Leiche in seinem Lager. Nun ist er auf der Suche nach einem Rabbi, der ihn hilft seinen Sohn zu begraben und gleichzeitig das Kaddisch für ihn spricht. Gleichzeitig gibt es Pläne im Sonderkommando, das Konzentrationslager abzufackeln und zu fliehen, da ihnen bewusst ist, dass auch sie bald sterben müssen.
In Filmen gibt es grundsätzlich zwei Arten dem Zuschauer etwas zu erklären. Entweder durch telling, also durch ein Gespräch die Handlung zu erklären, oder durch showing, also durch die bestimmte Szenen die Handlung zu erklären. Beide Arten werden in Son of Saul nicht angewandt. Dadurch muss der Zuschauer sich selbst das Gesehene und Gehörte zu einer Handlung zusammenreimen. Aber wie kann ein Film weder Erzählen noch Zeigen? Der Film zeigt grundsätzlich wenig vom Geschehen. Denn lediglich der Protagonist Saul ist klar zu erkennen. Alles andere ist verschwommen. Weitere Charaktere sind nur klar zu sehen, wenn Saul im direkt Kontakt mit ihnen ist, z. B. wenn er mit jemanden spricht. Das sorgt für einen klaren Blick auf die Handlung, denn Sauls Wege führen durch das komplette KZ und nicht gerade selten sind Berge von Leichen zu sehen. Durch lange Sequenzen, in der die Kamera einfach nur Saul folgt, wird eine grausame Situation geschaffen, in der der Zuschauer hauptsächlich die Geräusche wahrnimmt. Das bewirkt, dass man sich mitten im Geschehen fühlt, praktisch als wäre man die Kamera und folgt Saul vorbei an Gaskammern, Öfen und Leichenbergen. Auch wird im Film wenig gesprochen. Abgesehen von leisem Gemurmel unter den Mitgliedern des Sonderkommandos oder laut gebrüllte Befehle der Nazis, gibt es kaum Gespräche. Gleichzeitig werden im Film drei verschiedene Sprachen gesprochen: Ungarisch, deutsch und jiddisch. Der Film wird zwar untertitelt, aber doch ist es mitunter schwer zu folgen, wer jetzt genau was gesagt hat. So nimmt der Film den Zuschauer nicht an die Hand und erklärt sich, sondern lässt den Zuschauer praktisch sich selbst überlassen. So schafft es der Film keine Wertung zu hinterlassen. Die Zustände im KZ werden schonungslos und realitätsnah dargestellt, ohne den Zeigefinger zu heben und drohend auf die Deutschen zu zeigen: „Guck das sind die Bösen“. Diese Einstellung folgt unweigerlich im Kopf der Zuschauer, aber der Film selbst ist nicht wertend. Stattdessen wird ein Akt der Menschlichkeit dargestellt. Saul will trotz der Umstände seinem Sohn eine anständige Beerdigung bieten.
Ein wirklicher Spannungsbogen ist im Film nicht zu erkennen, aber dafür scheint hinter jeder Ecke oder in jeder Szene ein neues Gräuel zu warten. Wirklich durchatmen kann man erst, wenn der Abspann läuft und man merkt, dass man im Kino sitzt. Son of Saul ist ein Film, der trotz vieler verschwommener Bilder nachhaltig im Gedächtnis bleibt und so schnell keiner abschütteln kann. Die zweigleisige Handlung zwischen Sauls Bemühung der Beerdigung und der geplanten Rebellion des Sonderkommandos harmoniert und kann gut gleichzeitig erzählt werden, ohne das ein Handlungsstrang zu kurz kommt.
Géza Röhrig übernimmt die Rolle des Saul Ausländer. Dabei bleibt seine Mimik während des gesamten Films beinahe unverändert und doch sieht man in jeder Sekunde die Leere in seinen Augen, die man zwangsläufig bei seiner Arbeit fühlen muss. Dadurch, dass die Kamera praktisch pausenlos bei ihm bleibt, ist dies eine sehr gute schauspielerische Leistung.

Alles in allem ist Son of Saul ein Film, der in jeden Geschichtsunterricht gehört, da er schonungslos und realitätsnah ist und trotzdem ohne eigene Wertung auskommt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Suicide Squad

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Am 18.08.2016 erscheint das lang ersehnte Himmelfahrtskommando aus dem DC Multiversum in den deutschen Kinos. Diese Kritik ist spoilerfrei gehalten. Daraus resultierende vage Formulierungen waren anders nicht möglich.

Amanda Waller, eine amerikanische Geheimagentin, möchte ein Team aus Bösewichten zusammenstellen. Ihnen soll eine Strafreduzierung angeboten werden, wenn sie Aufträge annehmen bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie sterben. Kaum ist diese Idee genehmigt und eine mögliche Auswahl getroffen, kommt es auch schon zu einem Zwischenfall. Der Suicide Squad wird zusammengerufen.

Während die Marvel Studios einen erfolgreichen Film nach dem anderen produzieren und auch immer wieder neue Helden vorstellen, allein dieses Jahr wurden Deadpool und Doctor Strange neu eingeführt, hat es DC etwas schwerer. Noch heute kann keiner den Green Lantern Film wirklich ernst nehmen. Daher hielt sich DC immer an ihre funktionierenden Helden Batman und Superman. Leider erzielte aber auch der Anfang des Jahres in den Kinos erschiende Batman vs. Superman – Dawn of Justice nicht das gewünschte Ergebnis. Umso begeisterter waren die Fans und auch viele andere, als der erste Trailer zu Suicide Squad erschien. Nachdem Marvel mit Deadpool bewies, dass ein Antiheld auf der Kinoleinwand auch überzeugen kann, schien nun auch DC Mut zu beweisen und die bekannten Bösewichte aus Batman, The Flash und Co. aufzufahren. Das Ganze basiert auf der Comicbuchserie Suicide Squad, in der die Taskforce X zunächst noch aus dem Soldaten Rick Flag und seinen Freunden bestand. Erst später wurde sie aus den bekannten Comicbösewichten zusammengestellt. Nach drei Trailern war die Vorfreude auf diesen Film kaum noch zu bremsen. Leider funktioniert der Film nicht so gut, wie die Trailer vermuten lassen.
Zu Anfang sehen wir Amanda Waller, die das Militär versucht zu überzeugen die Taskforce X zu gründen und sie auf Himmelfahrtskommandos zu schicken. Danach werden die einzelnen Kandidaten vorgestellt. Ihre „besondere Begabung“, ihre Schwachpunkte und ihre Hintergrundgeschichte. Schon hier merkt man, dass sich der Film am stärksten auf die Charaktere Deadshot und Harley Quinn konzentriert. Und dann geht es auch schon los mit der eigentlichen Handlung. Es kommt zu einem Vorfall, der die Menscheit bedroht. Also werden die Kandidaten der Taskforce X zusammen gerufen. Diese sind verständlicherweise wenig begeistert. Jeder von ihnen bekommt einen kleinen Sprengsatz in den Hals, mit denen sie sowohl von Amanda Waller als auch von Rick Flag, der das Kommando übernimmt, mit einem Knopfdruck eliminiert werden können. Die Taskforce X besteht aus Deadshot, Harley Quinn, Captain Boomerang, Slipknot, El Diablo und Killer Croc. Unterstützt werden sie vom Militär unter der Führung von Rick Flag und seinem „Bodyguard“ Katana.
Die Grundidee des Films ist grandios, die Figuren größtenteils gut besetzt und doch funktioniert der Film einfach nicht. Gerüchten zufolge soll der eigentliche Film den Produzenten von Warner Bros zu unlustig und zu düster gewesen sein. Das soll zu massiven Nachdrehs geführt haben. Inwiefern diese Nachdrehs mit den Schwächen des Films zu tun hat, bleibt ungewiss, aber doch könnte eine Verbindung bestehen. Die größte Schwäche des Films ist wahrscheinlich die Handlung an sich. Denn die actionsreichen Szenen der Trailer reichen leider nicht für den ganzen Film. Stattdessen laufen der Suicide Squad durch die halb zerstörte Stadt und treffen ab und an mal auf Gegner. Wenn dies geschieht, gibt es kurze starke und vorallem sehr schön choreographierte Kämpfe. Der herbeigesehnte Endkampf gegen zwei Übergegner, fällt dann aber sehr kurz und auch sehr unspektakulär aus. Hier scheint die Lösung, wie schon bei Dawn of Justice, viel zu einfach und ein wirklicher Überraschungseffekt tritt nur an einer einzigen Stelle auf. Zusätzlich gibt es einen komplett überflüssigen Handlungstrang, der nur dazu dient eine Figur an einen anderen Ort zu bringen. Dafür wird aber mindestens eine halbe Stunde Screentime benutzt. Hier hätte es definitiv eine einfachere Lösung geben können. Die Hauptkritik an der Handlung aber dürfte sein, dass die Taskforce X eigentlich erst bei der großen Endschlacht benötigt wurde. Bei den vorherigen Kämpfen waren sie zwar hilfreich, aber nicht notwenig, da das Militär permanent mit dabei war. Hier bleiben die Figuren eindeutig hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Der nächste größte Kritikpunkt dürfte der fehlende Humor sein. Denn außer den coolen Sprüchen, die bereits im Trailer zu sehen waren, hat der Film keine großartig lustigen Einlagen zu bieten. Das wäre okay, wenn eine düstere und ernste Stimmung gewollt gewesen wäre. Aber gerade Harley Quinns loses Mundwerk bot die Möglichkeit zu mehr. Während sie in der ersten Hälfte des Films noch einige Sprüche zu bieten hatte, nimmt das in der zweiten Hälfte rapide ab. Hier setzt dann auch der größte Kritikpunkt ein: Der Film ist seinen Figuren nicht treu. Während in der ersten Hälfte eindrucksvoll gezeigt wurde, zu was die Figuren fähig sind und mehrfach betont wurde, dass sie halt die Bösen sind und daher auch Böses tun, verliert sich dies in der zweiten Hälfte. Nachdem den Zuschauern klar werden dürfte, dass einige coole Szenen aus der ersten Hälfte ziemlich überflüssig sein dürften, und man einen Großteils des Interesses am Film verliert, verliert auch der Film sein Interesse an den Figuren und an der Charakterzeichnung. Denn statt die Bösen zu sein, werden sie zunehmend zu einem sentimentalen Jammerhaufen und bedauern, dass sie als die Bösen abgestempelt werden. Das passt weder zu einem knallharten Auftragskiller, wie Deadshot, noch zu der verrückten Harley Quinn.
Ebenfalls eine große Schwäche des Films ist/sind der/die Endgegner. Von der Grundidee vielleicht passend, sind sie dann doch klitscheehafte Überwesen und dafür viel zu leicht zu besiegen. Sie werden nicht anstänstig vorgestellt und so versteht man nicht warum sie überhaupt die Welt zerstören wollen. Den Zuschauern einfach nur einen Bösewicht hinzustellen und zu sagen: Da, ist noch böser als die anderen, ist dann doch nicht zufriedenstellend.
Als letzten Kritikpunkt ist noch die ungleiche Gewichtung der Charaktere zu nennen. Der Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf Deadshot und Harley Quinn. Die anderen bekommen schon weniger Screentime, weniger Tiefe und scheinen teilweise nur Anhängsel zu sein. Gerade Captain Boomerang hat zwar erstaunlich viel Screentime bekommen, es würde aber auch keinen Unterschied machen, wenn er nicht dabei wäre. Dies ist schade, weil er zu den bekannteren Bösewichten des DC Multiversums gehört und man hier mehr aus dem Charakter hätte machen können. Auch gibt es eine Szene, in der er sich von den anderen entfernt. Nur um in der nächsten Szene wieder dazuzustoßen, ohne eine Erklärung für sein Verschwinden und seine Rückkehr abzugeben. Wirklich interessiert es auch niemanden, weil er eben so wenig Beachtung findet.

Suicide Squad hat aber auch ein paar positive Punkte. Zum einen ist die Grundauswahl der verschiedenen Charaktere sehr interessant. Auch die Besetzung der Charaktere ist größtenteils gelungen. Das Setting ist liebevoll gestaltet und kann mit einer grundsätzlich düsteren Stimmung überzeugen. Die Actionszenen sind sehr gut choreographiert und spannend gestaltet.
Der größte Pluspunkt ist aber der geniale Soundtrack. Während viele Kritiken spotten, dass einfach nur viele bekannte Bands und Lieder genommen wurden, so sind diese doch für die jeweiligen Szenen teilweise so herrlich ironisch, dass sie das Sehen des Films teilweise doch zu einem Vergnügen machen.

Will Smith übernimmt die Rolle des Deadshot. Nachdem Smith in „Independence Day 2“ schmerzlich vermisst wurde, zeigt er nun wieder sein Können. Er liefert hierbei eine gute, aber keine außergewöhnliche Performance ab. Deadshot nimmt schnell die Rolle des Anführers unter den Bösewichten ein. Leider passt der knallharte Killer, den man zunächst vorgestellt bekommt, nicht zu den einfühlsamen Mann, zu dem er sich im Laufe des Films entwickelt.
Margot Robbie übernimmt die Rolle der Harley Quinn. Mit ihrer Performance spielte sie sich schon im Trailer in die Herzen der Zuschauer und konnte auch im ganzen Film größtenteils überzeugen. Leider verliert sie gegen Ende ein bisschen von ihrer wahnsinnigen Art, was aber mit der grundsätzlichen „Verwahrlosung“ der Charaktere ab der zweiten Hälfte zu tun hat. Ihre Hintergrundgeschichte und Parallelhandlung mit dem Joker gibt dem Film wenigstens ein bisschen Charme. Über ihr sehr knappes Höschen kann man sich streiten. Fakt ist, dass Harley Quinn nach ihrem Grundoutfit in den Comics immer sehr sexy dargestellt wurde. Nötig wäre das knappe Höschen nicht gewesen, es ist während des Films aber auch nicht störend, da Robbies verrückte Mimik gekonnt davon ablenkt.
Joel Kinnaman übernimmt die Rolle des Rick Flag. Ursprünglich sollte die Rolle mit Tom Hardy besetzt werden, der aus zeitlichen Gründen leider nicht annehmen konnte. Auch die zweite Wahl Jake Gyllenhaal konnte nicht zusagen. Als dritte Wahl wurde nun Kinnaman mit der Rolle vertraut. Als draufgängerischen Flag zeigt er ein bisschen wenig Härte, im großen und ganzen ist die Rolle aber doch gut besetzt und Kinnaman liefert eine solide Leistung ab. DieLiebesgeschichte Flags ist dann aber doch sehr kitschig und unpassend gehalten.
Jai Courntey übernimmt die Rolle des Captain Boomerang. Die Screentime, die seine Rolle bekommt nutzt Courntey gekonnt aus. Der namensgebende Bummerang wurde zwar in ein paar Szenen verwendet, aber doch vergleichsweise wenig genutzt. Grundsätzlich hat Captain Boomerang zu wenig Charaktertiefe bekommen – für einen Dieb mit Bummerängen und einer Vorliebe für pinke Einhörner – hier wäre mehr möglich gewesen, als lediglich zwei Gags.
Adewale Akinnuoye-Agbaje übernimmt die Rolle des Killer Croc. Die Rolle spielt er gut, aber auch hier fehlt es wieder an Charaktertiefe und an genaueren Erklärungen. Er hält sich während des Films meist im Hintergrund auf und bleibt bis zum Ende sehr unscheinbar.
Jay Hernandez übernimmt die Rolle des El Diablo. Auch er legt eine gute Leistung ab. El Diablo bleibt lange Zeit beinahe Unsichtbar im Film, erst gegen Ende wird erklärt, warum er im Film überhaupt auftaucht. Er ist der einzige Bösewicht, der nicht böse sein möchte.
Viola Davis übernimmt die Rolle der Amanda Waller. Davis liefert ihre gewohnt gute Leistung ab, gibt der Rolle aber auch kein i-Tüpfelchen. Waller selbst wird sehr lange als zu gut dargestellt. Sie hat die Idee mit der Taskforce X, aber als die eigentliche „Antiheldin“, die sie in den Comics darstellt, wird sie immer nur szenenweise dargestellt.
Cara Delevigne übernimmt die Rolle der Enchantress. Delevigne ist wohl die größe Enttäuschung des Films. Schon von der ersten Szene an merkt man, dass sie eigentlich Model und keine Schauspielerin ist. Denn mit starren Gesicht, dass einen fixen Punkt bei der Kamera anfixiert, könnte sie zwar ihr Kostüm als Modelinie verkaufen, doch ohne jegliche Regung eine komplexe Rolle, wie die der Enchantress zu spielen, schafft sie nicht einmal im Ansatz. Hier ist die Frage, wieso der Film, der mit grundsätzlich starken Figuren besetzt wurde, hier so einen Patzer casten konnte. Da ihre Rolle doch eine größere Rolle im Film einnimmt, ist ihre Leistung eines der größen Schwächen des Films.
Jared Leto übernimmt die Rolle des Jokers. Nach dem Tod des beliebten Joker Darstellers Heath Ledgers, tritt Leto ein schweres Erbe an. Seine Darstellung ist auch wunderbar verrückt und sein schon aus dem Trailer bekannte Lachen geht tief unter die Haut. Leider ist seine Rolle aber sehr eindimensional geschrieben. Es wird nur die verrückte Seite gezeigt, nicht die düster brilliante. Dafür, dass er nur eine Nebenfigur ist, reicht die Charaktertiefe vielleicht aus, aber die Fans überzeugen, kann er nicht. Trotzdem möchte man hier gerne mehr sehen.
Karen Fukuhara übernimmt die Rolle der Katana. Für die wenige Screentime, die ihr zusteht, legte sie eine gute Leistung ab. Katana stößt erst relativ spät zum Team dazu und wird als Flags „Bodyguard“ vorgestellt. Wieso sie genau dabei ist, wird während des ganzen Films nicht klar, da sie nicht zum eigentlichen Suicide Squad gehört. Ihre Screentime hätte man für mehr Charaktertiefe der anderen nutzen können.

Alles in allem kränkelt Suicide Squad an zu vielen stellen, um ihn als guten Film zu betiteln und reiht sich leider in die Schlange der DC Enttäuschungen ein. Aus der ersten Hälfte lässt sich irgendwo ein guter Film erahnen, der aber leider nicht auf der Kinoleinwand zu sehen ist. Für die coolen Charaktere und den genielane Soundtrack gibt es dann doch noch 05 von 10 möglichen Punkten.

Blogparade: Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist

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Hallo ihr Lieben,
die singende Lehrerin lässt keine Zeit verstreichen, um ihrem Titel als Königin der Blogparaden zu würdigen. Diesmal hat sie aber das Genre gewechselt und das Thema Musik in den Vordergrund gestellt: „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist – 10 Songs zum Aufdrehen“ Es geht um 10 Songs (mit Ausnahme von aktuellen Hits) bei denen wir das Radio laut aufdrehen müssen oder die Tanzfläche stürmen. Ohne viele Worte und vor allem ohne Kommentare gibt es nun hier meine Liste (die Reihenfolge stellt keine Wertung dar).

1) You’re the voice – John Farnham

2) Because the night – Patti Smith Group

3) Spieluhr – Rammstein

4) Bad – Michael Jackson

5) Time Warp – Rocky Horror Picture Show

6) I wourld walk 500 miles – The Proclaimers

7) Always – Bon Jovi

8) Summer of ’69 – Bryan Adams

9) Alles aus Liebe – Die Toten Hosen

10) Westerland – Die Ärzte

Cinemathek: Unter dem Sand

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Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Unter dem Sand“. Der Film lief am 07.04.2016 in den deutschen Kinos an.

Dänemark im Jahr 1945. Der zweite Weltkrieg ist beendet und die deutschen Soldaten marschieren nach Hause. Doch unter dem Sand an Dänemarks Stränden befinden sich 2,2 Millionen Sprengsätze, die von den Deutschen vergraben wurden. So hält Dänemark Soldaten, zumeist Jugendliche zurück und zwingt sie alle Sprengsätze wieder auszugraben.

Unter dem Sand erzählt ein eher unbekanntes Stück der Nachkriegsgeschichte. Der Film versteht sich darauf mit widersprüchlichen Gefühlen der Akteure und auch der Zuschauer zu spielen. Gleichzeitig zeigt er schonungslos die Auswirkungen des Krieges und das die Gräuel nicht endeten, als die Kapitulation Deutschlands bekannt wurde.
1945. Im Laufe des Krieges wurde Adolf Hitler klar, dass es den späteren D-Day geben würde. Allerdings rechnete er nicht mit der Normandie, sondern mit der Westküste Dänemarks. Dort ließ er 2,2 Millionen Sprengsätze im Sand vergraben. Doch der D-Day fand in der Normandie statt und am Ende des Krieges war noch immer der ganze Strand Jütlands vermint. Also wurden deutsche Kriegsgefangene „freiwillig“ zurückgehalten, um die Minen zu entfernen. Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen war seit den Genfer Konventionen von 1929 verboten. So weit die historischen Fakten. Hier setzt nun „Unter dem Sand“ ein. Der Deutsche hassende Feldwebel Carl Rasmussen wird eingeteilt eine Gruppe von 10 deutschen jugendlichen Kriegsgefangenen zu bewachen, während sie die Sprengsätze im Sand ausgraben und entschärfen sollen. Dabei werden ihnen keine Pausen gestattet und sie bekommen kein Essen. Ihre kurze Ausbildung hat sie kaum auf die Gefahren vorbereitet und so detonieren immer wieder Sprengsätze und reißen die Jungs in den Tod. Feldwebel Rasmussen entwickelt dabei eine eigenartige Bindung zu den Jungs und verteidigt sie sogar. Doch seine Wut auf die Deutschen kann er nicht vergessen.
Unter dem Sand bricht mit einem Grundsatz der Kriegsfilme. Die Deutschen sind immer und zu 100% die Bösen. Jeder der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass während der Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges unzählige Gräueltaten von Deutschland ausgingen und die will auch keiner leugnen. Aber in jedem Kriegsfilm ist automatisch jeder deutsche Soldat, der zum Kriegsdienst gezwungen wurde, die Ausgeburt der Hölle. Nicht so in diesem Film. Denn die Jugendlichen, die zum Ausgraben der Sprengsätze gezwungen wurden, sind zwischen 15 und 18 Jahren alt. In der Verzweiflung der letzten Kriegsjahre holte Hitler auch die Schüler von der Schulbank und schickte sie an die Front. Demnach gibt es für die Zuschauer ein Dilemma. Die deutschen Soldaten müssten von der Empfindung her eigentlich die Bösen sein. Andererseits empfindet man sehr schnell Mitgefühl für die Jungen, die ohne Essen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen. Andererseits versteht man auch die strenge Einstellung der Dänen. Die deutschen haben ihr Land angegriffen, teilweise zerstört, ihre Männer getötet und dann auch noch ihren Strand vermint. Der Hass auf jeden Deutschen, auch wenn es ein Jugendlicher ist, ist nachvollziehbar. Daraus resultiert der Grundkonflikt des Films für die Zuschauer und auch ebenso für Feldwebel Rasmussen. Diese innerliche Hin- und Hergerissenheit verkörpert Roland Møller perfekt in der Figur des Feldwebels. Er hasst die Deutschen, spürt aber eine gewisse Verbundenheit zu den Jungs, denen er auch nur hilflos beim Sterben zusehen kann, wenn wieder eine Miene explodiert.
Unter dem Sand hat ein gemächliches Erzähltempo und zeigt eher die verworrenen Beziehungen der Charaktere, als eine ausschweifende Handlung zu haben. Dabei geht der Film tief unter die Haut und beschönigt nichts. Die Charakterisierungen gehen nur so tief, um die Beweggründe einzelner nachvollziehbar zu machen. Es wird auf rührselige Hintergrundgeschichten verzichtet, was unnötige Längen im Film verhindert. Obwohl der Zuschauer damit rechnet, dass während des Films immer wieder Minen explodieren, kommen diese doch immer wieder so unerwartet, dass das ganze Kino zusammenzuckt. Dadurch erzeugt der Film eine ganz eigene Spannung.

Alles in allem erzählt der Film zwar eine unangenehme Geschichte, aber überzeugt durch eine gute Umsetzung. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Frühstück bei Monsieur Henri

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Am 21.07.2016 erschien eine neue französische Komödie in den deutschen Kinos.

Constance möchte unbedingt in Paris studieren. Als sie angenommen wird, sucht sie ein Zimmer zur Untermiete. Dabei trifft sie gerade auf Monsieur Henri, dessen Sohn Paul die Anzeige geschaltet hat. Dieser ist mürrisch und hat sehr viele Regeln. Doch als Constance die Miete nicht mehr zahlen kann, bietet er ihr einen kuriosen Deal an: Sie soll seinen Sohn Paul dazu bringen sich von seiner Freundin zu trennen. Das Chaos ist dabei vorprogrammiert.

 Französische Komödien versprechen grundsätzlich etwas skurril zu sein. Frühstück bei Monsieur Henri ist für diese Aussage der beste Beleg. Doch der Film ist gleichzeitig witzig, sprüht vor Lebensenergie und hat seinen ganz eigenen Charme.
Constance Piponnier ist das Chaos in Person. Ihr größtes Problem sind Prüfungen, bei denen sie grundsätzlich versagt. Dementsprechend sind ihre Eltern – allen voran ihr strenger Vater – nicht begeistert, als Constance beschließt zum Studium nach Paris zu ziehen. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und sucht sich dort ein Zimmer zur Untermiete. Dabei trifft sie ausgerechnet auf den griesgrämigen alten Henri Voizot. Er hat hohe Ansprüche an seine Untermieterin und viele viele Regeln. Dafür stimmt aber der Mietpreis, der aber für Constance trotzdem schwer zu erreichen ist. Da sie schon im ersten Semester mit ihrem Studium gegen die Wand fährt und die Miete nicht mehr zahlen kann, bietet ihr Henri einen dubiosen Deal an. Henri ist kein Fan der Freundin seines Sohnes Paul. Daher soll Constance die Beziehung zerstören, in dem sie Paul zeigt, dass er auch jemanden wie Constance kriegen könnte. In ihrer Verzweiflung lässt sich Constance darauf ein.
Frühstück bei Monsieur Henri behandelt die Themen Vater-Sohn/Tochter-Beziehung, Midlife-crisis und die Verwirrung über die Ziele, wenn man jung ist. Das ganze wird zu einer liebevollen und auf eigenartige Weise charmanten Komödie gestrickt. Die Gagdichte ist für eine Komödie vergleichsweise gering, dafür sitzen die Witze sehr pointiert. Gerade der Sarkasmus von Henri und die Unsicherheit seines Sohnes Paul sorgten für viele Lacher im Kinosaal. Die Handlung selbst versucht alle drei großen Themen unterzukriegen, wobei er aber mitunter den Fokus verliert. Erst im Nachhinein merkt man, dass genau dies ein geschickter Schachzug ist, um die allgemeine Verwirrtheit von Constance bildlich darzustellen. Allerdings verliert der Spannungsbogen dabei an Gewicht, doch der Film schafft es trotzdem sich an keiner Stelle zu ziehen, sondern ganz in Ruhe seine Handlung zu entfalten. Dabei bleibt der Film sich bis zum Ende treu. Die Charaktere werden sehr stereotypisch gezeichnet, doch spiegeln sie gut das reale Leben wieder. Alle Figuren machen während des Films eine Wandlung durch, was zeigt, was die richtigen Menschen bewirken können.

Alles in allem ist Frühstück bei Monsieur Henri eine charmante französische Komödie und bekommt dafür 08 von 10 möglichen Punkten.

Das Seehaus

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Da ich Kate Mortons Schreibstil lieben gelernt habe, konnte ich nicht umhin sofort ihr neues Buch zu verschlingen.

1933 wird eine ausschweifende Mitsommerparty auf dem Gelände des Seehauses Loeanneth gefeiert. Doch am nächsten Morgen ist der jüngste Sohn der dort ansässigen Familie verschwunden. Der Fall wird nie aufgeklärt. 70 Jahre später entdeckt die junge Polizistin Sadie Sparrow ein verlassenes Anwesen versteck im Wald. Ihre Neugier ist sogleich geweckt und sie rollt den Fall wieder auf.

Das Seehaus ähnelt Mortons bisherigen Büchern sehr. Ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das die Menschen in der Gegenwart immer noch beschäftigt. Und doch gleicht keins ihrer Bücher dem anderen. Denn auch hier wird der Leser zwar stückchenweise mit neuen Informationen gefüttert, aber die Geschichte ist doch eine grundlegend andere.
Die Familie Edevane lebt in dem Seehaus von Loeanneth. Einst war es ein großes Anwesen, doch aus Geldgründen musste vieles verkauft werden. Die Familie Edevane besteht aus den Eltern Eleanor und Anthony, sowie die drei Töchter Deborah, Alice und Clementine. Das Bild wird abgerundet durch das Nesthäkchen der Familie: Theo. Die Familie befindet sich wie jedes Jahr in den Vorbereitungen für das prachtvolle Mittsommerfest. Doch am Ende dieses Festes soll der kleine Theo verschwunden sein. Keiner weiß warum. Wurde er entführt? Wurde er ermordet? Die Familie ist in ihrer Trauer so außer sich, dass sie wegziehen nach London. Der Fall wird nie gelöst. 70 Jahre später reist die junge Polizistin Sadie Sparrow nach Cornwall. Sie hat Ärger auf der Arbeit und verbringt ihren Zwangsurlaub bei ihrem Großvater Bertie in Cornwall. Beim Laufen mit Berties Hunden findet sie durch Zufall das verlassene Seehaus. Schnell erfährt sie von dem Vorfall und beschließt ihn endgültig zu klären.
Die Geschichte wird grundlegend in zwei Zeitsträngen erzählt. Einmal das Jahr 1933 mit der primären Handlung zum Mittsommerfest. Zum anderen das Jahr 2003, in der Sadie versucht das Rätsel um Theos Verschwinden aufzuklären. Bei beiden Zeitebenen gibt es Rückblenden, um das Handeln der Akteure zu erklären. Die einzelnen Kapitel sind aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Das sorgt dafür, dass der Leser sich in die Charaktere hineinversetzen kann und so manche Handlung besser nachvollziehen kann. Der plötzliche Wechsel von den Erzählern auch innerhalb eines Kapitels ist gewöhnungsbedürftig, schmälert aber das Lesevergnügen nicht.
Kate Mortons Schreibstil ist sehr flüssig. Auch ist fast jedes Kapitel mit einem kleinen Geheimnis bestückt, so dass der Leser nach und nach Geheimnisse aufdecken kann und doch die Lust nicht verliert endlich das große Geheimnis um Theo aufzudecken. Dabei lenkt Morton geschickt die Hinweise in eine ganz bestimmte Richtung, so dass der Leser bereits glaubt, das Rätsel gelöst zu haben. Doch meistens stellt sich heraus, dass die Lösung doch wo ganz anders liegen könnte. So bleibt das Buch trotz vieler detaillierter Beschreibungen der Verhältnisse und Taten der Charaktere durchgehend spannend. Es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Die sympathischen und die unsympathischen Charaktere halten auch hier wieder die Wage. Wobei man bei manchen Charakteren am Ende immer noch nicht sagen kann, ob man sie mag oder nicht, da alle Charaktere sehr vielschichtig sind und man erst nach und nach die Schichten durchdringt.

Alles in allem ist das Seehaus Lesevergnügen pur. Ein schönes Familiedrama mit der Extraportion Krimi. Nach „die fernen Stunden“ mortons bestes Buch bisher.

„Das Seehaus“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Cinemathek: Die Wahlkämpferin

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Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Die Wahlkämpferin“. Der Film lief am 21.01.2016 in den deutschen Kinos an.

Jane Bodine unterstützte bereits viele Wahlkämpfe und konnte vielen zum Sieg verhelfen. Doch ein Ereignis in der Vergangenheit ließ sie sich aus dem Geschäft zurückziehen. Bis sie um Hilfe bei dem bolivianischen Präsidentschaftswahlkampf gebeten wird. Bodine will ablehnen, doch der Wahlkämpfer der Opposition ist ein ihr nur zu gut bekannter Feind. So beginnt ein Kampf, um die Präsidentschaft.

Wahlkämpfe hat bestimmt schon jeder einmal miterlebt. Man kommt ja auch nicht umhin die vielen Plakate mit den „gut fotografierten“ Politikern, die einfach überall aufgehängt werden, zu sehen. Doch was wirklich hinter den Kulissen abgeht, weiß wohl kaum einer. Die Wahlkämpferin führt den Zuschauer hinter die Kulissen und zeigt auf, wie weit viele Politiker gehen, nur um zu gewinnen und wie sehr sie dabei von ihrem Wahlteam beeinflusst werden.
Der Film beginnt mit einem Interview mit Jane Bodine, in der wir ihr eiskaltes und berechnendes Wesen kennenlernen. Doch schon in der nächsten Szene bietet sich ein ganz anderes Bild. Bodine lebt zurückgezogen in der Einsamkeit und beschäftigt sich mit dem Töpfern. Bis sie als letzte Hoffnung zu dem bolivianischen Präsidentschaftswahlkampf hinzugezogen wird. Erst hat sie kein Interesse, bis sie den Mann hinter dem gegnerischen Kandiaten erkennt. Pat Candy ist Bodines stärkster Rivale. Also reist sie nach Bolivien und versucht das Unmögliche möglich zu machen. Mitunter scheint es ihr jedoch weniger um die Politik zu gehen, als vielmehr ihrem Feind Candy eins auszuwischen.
Die Grenze zwischen Politik und persönlichem Disput ist in diesem Film fließend. Bodin und Candy haben beide ihren Kandidaten, den sie zum Präsidenten machen wollen, doch gleichzeitig wollen sie auf keinen Fall gegen den anderen verlieren. Was für politische Ziele die beiden Kandidaten verfolgen, wird im Film kaum behandelt und meist nur im Nebensatz erwähnt. Die Handlung wird chronologisch erzählt und nach jedem „Sieg“ folgt unweigerlich der Gegenschlag der Gegenseite. Dabei werden die Sympathien ganz klar verteilt. Der Zuschauer ist sofort auf der Seite von Bodine und ihrem sympathischen Team und deren Kandidaten. Candy hingegen scheint der perfekte Antagonist zu sein, obwohl er die gleiche Arbeit macht wie Bodine. Doch gerade das Ende des Films zeigt, dass nur weil Bodine für den Kandidaten kämpft, dieser auch gleichzeitig der beste Präsident für Bolivien sein muss. Doch diese Tatsache wird während des ganzen Films verdrängt. Es geht nur darum, dass Bodine gewinnt.
Der Spannungsbogen des Films ist über seine Gesamtlaufzeit von 108 Minuten leider nichts ausreichend und obwohl man als Zuschauer mitfiebert, wie die Wahl am Ende ausgeht und was sich Bodine und Candy als nächstes ausdenken, zieht sich der Film mitunter und schmückt einzelne Szenen ohne Aussage zu lange aus. Die schauspierlischen Fähigkeiten sind durchgehend gut, gerade Sandra Bullock kann mit dem Wechsel aus starker Wahlkämpferin und Nervenbündel überzeugen. Die Handlung spielt leider zu viel in kleinen Räumen und zeigt daher wenig von Bolivien an sich und auch das Volk wird kaum gezeigt. Der Fokus des Films ist klar auf den Wahlkampf an sich gerichtet.

Alles in allem gibt der Film eine solide Leistung ab, verliert aber leider zwischendurch immer wieder an Tempo. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im Juli 2016

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Hallo ihr Lieben,
ich bin erfolgreich umgezogen und so geht es auch hier wieder weiter (unabhängig von den vielen vielen Kisten, die noch ausgepackt werden wollen). Hier nun etwas verspätet die Übersicht der Filme, die ich im Umzugschaos leider nicht sehen konnte.

1) Mit besten Absichten: Eine Mutter zieht zu ihrer Tochter mit besten Absichten. Und sorgt dabei doch ein wenig für Chaos. Ein Film, der als Komödie getarnt ist, aber vielleicht doch mehr birgt. Ich hoffe, ich finde es noch heraus.

2) Big friendly Giant: Steven Spielberg verfilmte das bekannte Buch von Roald Dahl und schon der Trailer zeigt, dass es sich um eine sehr liebevolle Geschichte handelt mit einer ungewöhnlichen Freundschaft. Noch ein wichtiger Film auf meiner Liste.

Und hier noch kurz die Filme, die es ganz knapp nicht auf meine Liste geschafft haben, aber nicht unerwähnt bleiben sollen:

The Legend of Tarzan, Zeit für Legenden, Mullewapp – eine schöne Schweinerei, Liebe Halal

Kurzmitteilung

Hallo ihr Lieben,
durch meinen Umzug gibt es eine kleine Änderung auf diesem Blog. Nämlich ist es mir nicht mehr möglich jeden Montag die Sneak-Preview zu besuchen, in der Filme gezeigt wurden, die noch nicht im Kino anliefen. Dadurch sah ich viele schöne und weniger schöne Filme, die ich mir sonst vielleicht gar nicht angesehen hätte. In meinem neuen Stammkino gibt es dafür Montags ein anderes Format, die „Cinemathek“. Hier werden Filme gezeigt, die bereits vor einiger Zeit im Kino liefen, und nun wieder herausgeholt werden. Über diese Filme möchte ich im neuen Format Cinemathek schreiben.

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