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Am 07.01.2016 erschien ein Film, der sich mit den „Gewinnern“ der Finanzkrise von 2007 befasst, in den deutschen Kinos-

Kurz zur Story: Hedgefond-Manager Michael Burry fällt durch Zufall auf, dass der Immobilienmarkt in den USA auf faulen Krediten aufgebaut ist und daher in naher Zukunft kollabieren wird. Damit sieht er die Finanzkrise von 2007 vor, doch nur eine Gruppe Einzelner glaubt ihn und sichert sich gegen die drohende Krise ab.

The Big Short setzt sich nicht nur mit den Ursachen der Krise, dem amerikanischen Immobillienmarkt und den raffgierigen Banken auseinander, sondern auch mit einer unangenehmen Gewinner-Verlierer-Basis. Burry ist ein Mann, den man nur als merkwürdig bezeichnen kann. Während er als einziger die faulen Kredite und das damit einhergehende Krisenpotenzial sieht, putzt er sich im Büro die Zähne, hört Metall, spielt mit Schlagzeugstöckern oder mit einem Ball. Vielleicht trägt auch dieser Umstand dazu bei, dass ihm keiner glauben will. Seine Investoren trauen ihm nur durch langjährige Erfahrung, aber von den Banken wird er nur ausgelacht. Also sichert er sich gegen die kommende Krise ab, in dem  er mit den Banken Versicherungen schließt. Sollte die Krise eintreten, greift die Versicherung und er wird ein reicher Mann. Solange die Krise nicht eintritt, zahlt er eine Gebühr an die Banken. Diesem Beispiel folgen kurz darauf zwei weitere Gruppen. Dabei kämpfen sie immer wieder gegen ihr Gewissen an. Denn wenn sie Recht haben und die Krise eintritt, verlieren Tausende von Amerikanern ihre Arbeit und ihr Zuhause, doch nur sie gewinnen viel Geld. Der Film pendelt zwischen humorvollen Einlagen, Fassungslosigkeit und Jähzorn über die Arroganz der Banken. Der Film holt den Zuschauer perfekt ab und versucht ihn durch den Wirrwarr der Wirtschaft zu führen. Wer jedoch nicht gerade Wirtschaft studiert hat, kann mitunter Probleme haben dem Film zu folgen. Die Produzenten wollten dem ganzen Vorbeugen und haben auch eine gute Lösung gefunden. Die wichtigsten Begrifflichkeiten werden mit einfach gehaltenen Definitionen untertitelt und die großen Begriffe werden mit einer humorvollen Einlage dargestellt. Trotzdem ist der Wirtschaftsdschungel weiter undurchsichtig und der Film daher etwas schwer zu verstehen. Mitunter wünscht man sich, dass man im Kino den Film zurückspulen kann und nocheinmal eine Definition nachlesen kann, oder eine Pausetaste, um ein Phänomen nachzuschlagen. Trotzdem kann die grobe Rahmenhandlung verstanden werden.
Durch einen hervorragenden Cast, um Christian Bale, Steve Carell, Brad Pitt und Ryan Gosling bekommen die Figuren Leben. Alle sind komplett unterschiedliche Charaktere, jeder hat auf seine Art sein Päckchen zu tragen. Vom oben beschriebenen Burry, zum jähzornigen Mark Baum, der einen Hass auf die Ungerechtigkeit in der Welt hat, zum der Welt misstrauenden Ben Rickert, der glaubt ständig überwacht und kontrolliert zu werden. Diese wilde Mischung macht den zusätzlichen Charme des Filmes aus.
Der Film befasst sich vorrangig mit dem Thema Gewissen. Die Banken werden als gewissenlose Institutionen dargestellt, die ohne Rücksicht auf die Bürger das große Geld schaufeln. In der Hinterhand immer die Gewissheit, dass, sollte es zur Krise kommen, der Staat schon eingreift und sie rettet. Dem gegenüber stehen die kleinen Gruppen, die das Risiko erkannt haben und daraus versuchen Profit zu schlagen. Doch sie plagt regelmäßig das schlechte Gewissen, denn sie machen nur Gewinne, wenn Tausende von Menschen Job und Haus verlieren. Durch den Charakter Jared Vennett wird die Dimension zum Zuschauer durchbrochen. Er kommuniziert durch die Leinwand mit dem Zuschauer, erklärt kurz Charaktere und das Geschehen. Dadurch nimmt er die Distanz und führt das Publikum viel näher an das Geschehen heran. Es kann sich nun nicht mehr vom Film distanzieren und wird unmittelbar berührt und betroffen.

Alles in allem ist der Film gut getroffen, spannend, mitreißend, aber leider etwas zäh durch die vielen Wirtschaftsbegriffe. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

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