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Hallo ihr Lieben,
da The Revenant mich schon grundsätzlich nicht angesprochen hat, gibt es heute wieder eine Gastkritik von Markus. Also lest ihr nun zunächst meine Meinung und im Anschluss Markus Meinung 🙂

Am 06.01.2016 erschien einer der aufwendigsten Filme der Filmgeschichte in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Hugh Glass ist zusammen mit seinem Sohn, einem Halbindianer, und einem Trupp Trapper auf Felljagd. Dabei werden sie von Indianern verfolgt, die glauben, dass die Trapper die Tochter des Häuptlings entführt haben. Auf der Flucht wird Glass von einem Bären angegriffen und schwer verletzt. Durch den Wintereinbruch und den landschaftlichen Bedingungen muss Glass zurückgelassen werden. Der griesgrämige John Fitzgerald, der unbedarfte Jim Bridger und Glass Sohn bleiben bei ihm. Ihr Auftrag: Glass bis zu seinem unausweichlichen Tod nicht allein lassen. Aber der Winter und die Indianer sitzen ihnen im Nacken und so beschließt Fitzgerald, dass sein Leben ihm mehr Wert ist. Er begräbt Glass noch lebendig und bringt dessen Sohn um, der versucht ihn zu hindern. Zusammen mit Bridger, der davon nichts mitbekam, macht er sich auf den Heimweg. Aber Glass ist nicht tot und sinnt nun auf Rache, die ihm scheinbar Superkräfte bescheren.

The Revenant behandelt zwei Themen. Rache und Überleben in einer unberührten Natur. Dabei verschmelzen beide Themen immer wieder miteinander, so dass es so scheint, als würde es im Film nur um Rache gehen. Der Zuschauer wird am Anfang gleich ins Geschehen geworfen. Glass und sein Sohn haben gerade Jagd auf einen Elch gemacht. Dann werden die Trapper vorgestellt und man erfährt, dass sie von Indianern verfolgt werden. Und schon geht es los: Die Indianer überfallen das Lager und töten mindestens die Hälfte der Trapper. Den Überlebenden bleibt nichts anderes über, als sich auf ein Boot zu flüchten und flussabwärts die Ware zu verstecken und möglichst schnell zur Basis zurückzukehren. Bei einem Spährundgang wird Glass aber von einem Bären angegriffen und lebensbedrohlich verletzt. Der Leiter der Trapper Andrew Henry hat eine so hohe Meinung von Glass, dass er es mit seinem Gewissen nicht ausmachen kann, ihn einfach zum sterben zurückzulassen. Doch die landschaftlichen Bedingungen lassen nicht zu, dass Glass lange auf einer Trage transportiert werden kann. Henry will ihn aber auch nicht ganz alleine zum sterben zurücklassen. Also sucht er freiwillige. Glass Sohn und Bridger melden sich sofort. Fitzgerald erst, als eine großzügige Belohnung angeboten wird. Doch die Indianern, angetrieben von Rache, denn sie glauben, dass die Trapper die Tochter des Häuptlings entführt haben, sitzen ihnen weiterhin im Nacken. Als Glass nach Tagen immer noch nicht sterben will, entschließt Fitzgerald die Initiative zu ergreifen. Er will Glass helfen zu sterben und ihn ersticken. Da greift dessen Sohn ein. In dem Handgemenge wird dieser getötet. Handlungsunfähig kann Glass nichts tun, außer Fitzgerald zusehen, wie der die Leiche seines Sohnes versteckt und schließlich ihn in ein Grab wirft und lebendig begräbt. Bridger bekam davon nichts mit und glaubt Fitzgerald, dass Glass starb. Die beiden machen sich nun ebenfalls auf dem Weg zur Basis. Aber Glass ist nicht tot. Unter Qualen erhebt er sich aus seinem Grab und krabbelt zur Leiche seines Sohnes. Doch die Indianer sind nicht weit. Von Rache getrieben, macht sich nun auch Glass auf dem Weg zur Basis. Aber er hat drei Gegner: die Indianer, die weiterhin auf Verfolgungsjagd sind, seine Verletzungen und den Winter in einem unbesiedelten Gebiet, wo die Natur eher dein Feind, als dein Freund ist.
The Revenant nimmt mehrere Schicksale und Wege genau unter die Lupe. Die Indianer, die Traper in drei Gruppen und in Rückblenden auch Glass Vorgeschichte. Dadurch übernimmt sich der Film, auch mit den beiden Themen. Um alles genau zu erzählen, braucht der Film eine Spiellänge von fast drei Stunden. Auch für den geübten Kinogänger ist das einfach zu lang. Denn durch die Länge der Handlung ergeben sich auch immer mehr Logiklöcher in der Handlung. Das ist besonders schlecht, weil der Film sehr auf Logik aufbaut und gerade die Landschaftsaufnahmen alles Originalaufnahmen sind. Hier hätten Kürzungen dem Film gut getan. Die Handlung lässt Kritikpunkte offen – die Kamera, der Schnitt und die Filmgestaltung nicht. Durch die natürlichen Gestaltungen, reale Landschaftsaufnahmen und sehr gute Kostüme wird eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, die ihr volles Potenzial auf der Kinoleinwand entfaltet.
Leonardo diCaprio übernimmt die Rolle des Hugh Glass und wird schon jetzt als absoluter Oscarfavorit gehandelt. Und natürlich kann man ihm ein gutes Spiel nicht aberkennen, doch mitunter wirkt es auch sehr steif und die Mimik scheint immer wieder dasselbe zu zeigen. Gerade als er seine Geschichte erzählt und von dem Mord an seinem Sohn berichtet, zeigt er absolut keine Emotion. Gutes Schauspiel, aber für den Oscar gibt es doch bessere Kandidaten. Glass ist ein Charakter, der eine sehr bewegende Vergangenheit hat, wie durch einige Rückblenden gezeigt wird. Leider wird seine Geschichte trotz minutenlanger Rückblenden nie deutlich, weswegen sie eher verwirren und daher zur Kürze weggelassen werden sollten. Glass Überlebenskampf wird in allen Facetten gezeigt. Das ist grundsätzlich gut, nur zieht er sich zu lange hin. Mit seinen vielen Verletzungen ist es schon unlogisch, dass er überhaupt den Weg überlebt. Dass aber immer noch mehr hinzukommen auf seinem Weg und er trotzdem weitergehen kann, strapaziert die Geduld des Zuschauers.
Tom Hardy übernimmt die Rolle des Fitzgeralds. Dieser ist der Folter von Indianern entkommen, die ihn, am Kopf beginnend, die Haut abziehen wollten. Eine große Narbe am Kopf erinnert noch an diese Tat. Darüber hinaus ist er der komplette Antagonist. Er lässt Glass halb tot zurück und tötet auch noch dessen Sohn. Er wird vollkommen rücksichtslos dargestellt und scheint kein Gewissen zu haben. Vielleicht muss er so ohne Ecken und Kanten als Böse dargestellt werden, damit die Rachethematik funktioniert und man noch mehr mit Glass sympathisiert. Hardy ist als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert. Hier sogar äußerst verständlich, zudem die Chancen gut sein dürften.
Will Poulter übernimmt die Rolle des Jim Bridger. Dabei spielt er das, was er am besten kann. Einen verängstigten Jungen, der zu Glass aufsieht, aber sich von Fitzgerald manipulieren lässt. Die Rolle spielt er gut, aber eine neue Leistung ist es nicht.

Alles in allem ist The Revenant ein Film, der technisch und landschaftlich begeistert, aber handlungstechnisch und durch die Länge Schwächen aufweist. Daher gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Und nun die Kritik von Markus:

Am 06. Januar 2016 erschien das für zwölf Oscars nominierte Survival-Western-Drama „The Revenant“ in den deutschen Kinos. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Michael Punke basiert auf der angeblich wahren Geschichte des Trappers (Pelztierjägers) Hugh Glass (Leonardo DiCaprio). Im Jahr 1823 erforscht er gemeinsam mit einer vom Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Gruppe die amerikanische Wildnis. Bei einem alleinigen Gang durch die Wälder wird er von einem Grizzly angegriffen und dabei lebensgefährlich verletzt. Während ein Großteil der Trapper den Weg fortsetzt, sollen die beiden Männer John Fitzgerald (Tom Hardy) und Jim Bridger (Will Poulter) sich um Glass kümmern. Als sie keine Chance mehr auf Rettung für ihn sehen und anscheinen Indianer in der Nähe des Lagers auftauchen, entschließen sie sich, den Schwerverletzten ohne Ausrüstung in der Wildnis zurückzulassen…

Der Regisseurs Alejandro González Iñárritu, der bereits 2015 für seinen Film Birdman vier Oscars bekommen hat, soll unter Extrembedingungen gedreht haben. Zum Beispiel wurde nur mit natürlichem Licht in den ländlichen Gebieten Kanadas und Argentiniens in extremer Kälte gedreht. Darüber hinaus seien auch die Schauspieler bis an die Grenze gegangen. So habe der Vegetarier Leonardo DiCaprio laut eigenen Angabe eine rohe Bison-Leber gegessen. Nun kann darüber gestritten werden, ob selbstauferlegte schwierige Drehbedingungen und körperliche Strapazen der Schauspieler gleich einen hervorragenden Film auszeichnen. Warum der Film abgesehen davon trotzdem hervorragend für mich funktioniert, werde ich im Folgenden erläutern.

Zum einen liefert der Kameramann Emanuel Lubezki, der auch bereits in den letzten beiden Jahren für die Filme Gravity und Birdman mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, großartige Bilder, die man unbedingt im Kino genießen sollte. Aufgrund der vielen nahen Kameraeinstellungen, die den Protagonisten folgen, wird dem Zuschauer permanent das Gefühl vermittelt, mitten im Geschehen zu sein und nicht nur stiller Beobachter. Zudem ist der Film, wie z.B. bei der jetzt schon berühmt berüchtigten Grizzly-Angriffsszene technisch grandios umgesetzt. Auch die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen des verschneiten Kanadas bringen die Kälte des Films, die sich auch in der Handlung wiederfindet, direkt an den Zuschauer weiter. Ich persönlich konnte die Kälte regelrecht spüren und war nach kurzer Zeit so tief in dem Film versunken, dass ich irgendwann vergaß, dass ich im warmen Kino saß.

Auch die Schauspielleistungen waren durchgehend sehr gut. DiCaprio nimmt man seinen Überlebenskampf komplett ab und obwohl er vor allem in der Mitte des Films kaum mehr als Stöhn-Geräusche von sich gibt, schaffte er es allein durch Mimik und Gestik dem Zuschauer seine Verzweiflung sehr glaubhaft rüberzubringen. Auch Tom Hardy hat seine Rolle als Antagonist perfekt gespielt, obwohl ich mir vielleicht nicht nur das absolute Böse in Person, sondern auch ein paar Zwischentöne in der Gestaltung der Figur gewünscht hätte. Domhnall Gleeson und Will Poulter haben ihre Rollen ebenfalls mehr als glaubhaft verkörpert und ich bin gespannt, was in nächster Zeit noch alles von den Schauspielern kommen wird.

Die Geschichte an sich, die man irgendwo zwischen Western und Survival-Drama mit integrierter Rachethematik einordnen kann, ist letztendlich sicherlich sehr dünn und auch vorhersehbar. Diese wurde allerdings mithilfe von Kamera, Schauspieler und der Bilder grandios umgesetzt und das Beste herausgeholt.

Letztendlich hat „The Revenant“ bei mir aufgrund der überwältigenden Bilder und der durchgehend sehr guten Schauspielleistungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mich regelrecht in den Kinosessel gedrückt. Allerdings würde ich empfehlen den Film unbedingt im Kino anzusehen, da die großartigen Bilder am besten auf der großen Leinwand zur Geltung kommen. Darüber hinaus kann ich aber auch Leute verstehen, die mit der stellenweise sehr langsamen Erzählweise wenig anfangen können. Tatsächlich hatte ich auch in der Mitte des Filmes kurz das Gefühl, dass der Überlebenskampf von Hugh Glass um 5 Minuten hätte gekürzt werden können. Andererseits benötigt der Film aber auch diese Länge, um als Zuschauer komplett in das Geschehen eintauchen zu können. Wer sich also darauf einlassen kann, der wird mit einem einmaligen Filmerlebnis belohnt, das man so schnell nicht wieder vergessen wird. Für mich persönlich ist der Film aufgrund des einmaligen Erlebnisses 9 von 10 Punkten wert.

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