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Am 10.03.2016 erschien ein Dokumentarfilm über ein Jahr im Leben einer nordkoreanischen Familie in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Der russisch-ukrainische Regisseur Vitalij Manskij reist nach Pjöngjang in Nordkorea und begleitet mit seinem Kamerateam ein Jahr lang die 8-jährige Zin-Mi, um zu sehen, wie die Kinder unter der strengen Führung Kim-Jong-Uns und seiner Vorgänger aufwachsen.

Im Strahl der Sonne sollte eine uneingeschränkte und unbeschönte Dokumentation über das Leben von Zin-Mi werden. Doch starke Einschränkungen und ständige Überwachung seitens des nordkoreanischen Staates erschwerten die Dreharbeiten stark. Zin-Mi lebt eigentlich mit ihrer Familie in einer ganz kleinen Wohnung am Bahnhof, keine schöne Ecke Pjöngjangs. Bei Vorbesprechungen zum Film war der Vater von Beruf noch Jounalist. Als das Kamerateam eintrifft, ist die Familie vom Regime aus, in eine schicke 3-Zimmer-Wohnung umgezogen, der Vater arbeitet auf einmal als Ingenieur in einer großen Textilfabrik und die Mutter in einer Milchfabrik. Zin-Mi darf die repräsentabelste Schule besuchen, die natürlich gerad neu renoviert wurde. Gäbe es die Vorbesprechungen nicht, wäre nicht klar gewesen, dass dies alles schon auf einer Illusion beruht. Gleichzeitig hat das Regime ein Drehbuch ausgearbeitet, in der die einzelnen Szenen des „Alltags“ dargestellt werden sollten. Dem Kamerateam und der Familie wurden Aufpasser des Regimes an die Seite gestellt, um zu kontrollieren, dass sich zum einen an das Drehbuch gehalten wird und dieses auch wie gewünscht umgesetzt wird, und zum anderen, dass das Kamerateam nur die einstudierten Szenen filmt und keine Privatausflüge unternimmt. Das Team darf ohne Begleitperson das Hotelzimmer nicht verlassen. Trotz dieser harter Auflagen ist es dem Team gelungen dieses in Szene setzen zu hinterfragen. Zum einen sind von vielen Szenen nicht nur das Endprodukt im Film erschienen, sondern auch die Proben und das Umgestalten einzelner Szenen. Dadurch wurde sehr deutlich, dass vieles gestellt ist und Propaganda im großen Stil betrieben wurde. Gleichzeitig ist es für uns in Deutschland geradezu lächerlich. Beispielsweise wird einem versucht zu erzählen, dass das Nationalgericht Nordkoreas Kimchi vor dem Altern schützt und Krebs heilt. Immer wieder wurden Propagandaphrasen eingestreut und in gefühlt jeder zweiten Szene wird den großen Führern gedankt. Gleichzeitig schafft die Kamera es aber auch Gesichter von Akteuren einzufangen, die an den einzelnen Szenen derzeit nicht beteiligt waren und daher auch die „wahren“ Gesichtsausdrücke aufzunehmen. Jede Szene, selbst die Fahrten mit dem Bus zu Schule, waren einstudiert. Auffällig war unter anderem, dass an der Abfahrtstelle eigentlich überhaupt keine Haltestelle war. Stattdessen hat das Team es geschafft heimlich aus ihrem Hotelfenster zu filmen und den eigentlichen „Alltag“ zu filmen, der überhaupt nichts mit dem dargestellten gemeinsam hat. Im Großen und Ganzen hat der Film ein sehr bedrückendes Gefühl hinterlassen. Die Lebensweise in Nordkorea ist mit unserem westlichen Verständnis von Freiheit nicht nachzuvollziehen. Ständig schießen Gedanken durch einen, wie „die können so doch gar nicht glücklich sein“. Das ist pauschal gerne einmal schnell gedacht, aber die Staatsmacht und die ständige Kontrolle von Kindesalter an, ist einfach nicht nachzuvollziehen. Und woher sollen die Menschen es anders kennen?
Der Film zeigt einem schonungslos, wie gut man es in den westlichen Welten und der grenzenlosen Freiheit eigentlich hat, stimmt nachdenklich und teilweise auch traurig. Gerade die letzte Szene versetzt einem noch einmal einen zusätzlichen Schlag und versetzt einem noch einen zusätzlichen Hauch Traurigkeit. Der Film ist sehr ruhig erzählt und klappert die wichtigsten Events in Zin-Mis Leben ab. Dabei versucht der Film Nordkorea nicht schlecht zu machen, sondern eine relativ objektive Darstellung. Dazu gehören auch die Erklärungen in Form einer Erzählerstimme über die Vorbedingungen und die Filmbedingungen.

Alles in allem ist der Film zwar ruhig, aber nicht langweilig, denn dafür ist er zu berührend und regt stark zum nachdenken an. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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