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Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Unter dem Sand“. Der Film lief am 07.04.2016 in den deutschen Kinos an.

Dänemark im Jahr 1945. Der zweite Weltkrieg ist beendet und die deutschen Soldaten marschieren nach Hause. Doch unter dem Sand an Dänemarks Stränden befinden sich 2,2 Millionen Sprengsätze, die von den Deutschen vergraben wurden. So hält Dänemark Soldaten, zumeist Jugendliche zurück und zwingt sie alle Sprengsätze wieder auszugraben.

Unter dem Sand erzählt ein eher unbekanntes Stück der Nachkriegsgeschichte. Der Film versteht sich darauf mit widersprüchlichen Gefühlen der Akteure und auch der Zuschauer zu spielen. Gleichzeitig zeigt er schonungslos die Auswirkungen des Krieges und das die Gräuel nicht endeten, als die Kapitulation Deutschlands bekannt wurde.
1945. Im Laufe des Krieges wurde Adolf Hitler klar, dass es den späteren D-Day geben würde. Allerdings rechnete er nicht mit der Normandie, sondern mit der Westküste Dänemarks. Dort ließ er 2,2 Millionen Sprengsätze im Sand vergraben. Doch der D-Day fand in der Normandie statt und am Ende des Krieges war noch immer der ganze Strand Jütlands vermint. Also wurden deutsche Kriegsgefangene „freiwillig“ zurückgehalten, um die Minen zu entfernen. Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen war seit den Genfer Konventionen von 1929 verboten. So weit die historischen Fakten. Hier setzt nun „Unter dem Sand“ ein. Der Deutsche hassende Feldwebel Carl Rasmussen wird eingeteilt eine Gruppe von 10 deutschen jugendlichen Kriegsgefangenen zu bewachen, während sie die Sprengsätze im Sand ausgraben und entschärfen sollen. Dabei werden ihnen keine Pausen gestattet und sie bekommen kein Essen. Ihre kurze Ausbildung hat sie kaum auf die Gefahren vorbereitet und so detonieren immer wieder Sprengsätze und reißen die Jungs in den Tod. Feldwebel Rasmussen entwickelt dabei eine eigenartige Bindung zu den Jungs und verteidigt sie sogar. Doch seine Wut auf die Deutschen kann er nicht vergessen.
Unter dem Sand bricht mit einem Grundsatz der Kriegsfilme. Die Deutschen sind immer und zu 100% die Bösen. Jeder der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass während der Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges unzählige Gräueltaten von Deutschland ausgingen und die will auch keiner leugnen. Aber in jedem Kriegsfilm ist automatisch jeder deutsche Soldat, der zum Kriegsdienst gezwungen wurde, die Ausgeburt der Hölle. Nicht so in diesem Film. Denn die Jugendlichen, die zum Ausgraben der Sprengsätze gezwungen wurden, sind zwischen 15 und 18 Jahren alt. In der Verzweiflung der letzten Kriegsjahre holte Hitler auch die Schüler von der Schulbank und schickte sie an die Front. Demnach gibt es für die Zuschauer ein Dilemma. Die deutschen Soldaten müssten von der Empfindung her eigentlich die Bösen sein. Andererseits empfindet man sehr schnell Mitgefühl für die Jungen, die ohne Essen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen. Andererseits versteht man auch die strenge Einstellung der Dänen. Die deutschen haben ihr Land angegriffen, teilweise zerstört, ihre Männer getötet und dann auch noch ihren Strand vermint. Der Hass auf jeden Deutschen, auch wenn es ein Jugendlicher ist, ist nachvollziehbar. Daraus resultiert der Grundkonflikt des Films für die Zuschauer und auch ebenso für Feldwebel Rasmussen. Diese innerliche Hin- und Hergerissenheit verkörpert Roland Møller perfekt in der Figur des Feldwebels. Er hasst die Deutschen, spürt aber eine gewisse Verbundenheit zu den Jungs, denen er auch nur hilflos beim Sterben zusehen kann, wenn wieder eine Miene explodiert.
Unter dem Sand hat ein gemächliches Erzähltempo und zeigt eher die verworrenen Beziehungen der Charaktere, als eine ausschweifende Handlung zu haben. Dabei geht der Film tief unter die Haut und beschönigt nichts. Die Charakterisierungen gehen nur so tief, um die Beweggründe einzelner nachvollziehbar zu machen. Es wird auf rührselige Hintergrundgeschichten verzichtet, was unnötige Längen im Film verhindert. Obwohl der Zuschauer damit rechnet, dass während des Films immer wieder Minen explodieren, kommen diese doch immer wieder so unerwartet, dass das ganze Kino zusammenzuckt. Dadurch erzeugt der Film eine ganz eigene Spannung.

Alles in allem erzählt der Film zwar eine unangenehme Geschichte, aber überzeugt durch eine gute Umsetzung. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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