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Vor kurzem konnte ich meinen Freund doch überzeugen, zusätzlich zu unseren anderen Abonnements, uns auch noch Amazon Prime zuzulegen. Dabei entdeckte ich eine Serie, die ich zwar vom Namen her kannte, aber nicht so ganz wusste, worum es denn geht. Auf gut Glück schaute ich einmal herein. Diese Kritik befasst sich mit den Staffeln 1-5.

Downton Abbey ist ein Herrschaftssitz in Yorkshire. Dort lebt die Familie Crawley mit ihren Angestellten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es werden historische Ereignisse, wie der Untergang der Titanic und der erste Weltkrieg, politische Umbrüche, wie Frauenwahlrecht und die erste Labour-Partei, sowie persönliche Schicksale behandelt.

Seit langem hat mich keine Serie mehr so in den Bann gezogen, wie Downton Abbey. Ich verschlang die Serie regelrecht und konnte mich selten dazu bewegen, sie auszuschalten, was dazu führte, dass ich teilweise bis 3Uhr morgens in einer anderen Welt feststeckte. Das liegt vorallem daran, dass sich Downton Abbey auf keinen Charakter wirklich konzentriert, sondern einem eine Vielzahl von verschiedenen Geschichten bietet. So konnte man sich immer Charaktere aussuchen, die man mag und mit denen man mitfieberte und betete, dass ihnen nichts schlimmes passierte. Und dann gab es eben auch die Charaktere, denen man einen frühen Serientod wünschte – die Wünsche wurden aber nicht immer erhört. Allein die Hauptfamilie hat drei Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die zynische und arrogante Mary, die sich permanent selbstbemitleidende Edith und die immer herzliche und freundliche Sybill. Doch auch diese drei machen Wendungen durch, so dass man am Ende vielleicht doch mit jemandem sympathisiert, was man am Anfang der Serie für unmöglich hielt. Unvorhersehbare Wendungen schaffen es die Serie durchgehend spannend zu halten, auch wenn es sich im weitesten Sinne lediglich um ein Familiendrama handelt. Hinzu kommen die Einbindungen historischer Ereignisse und politischer Umbrüche, die das Haus regelmäßig erschüttern. Die Serie schafft es vor allem durch Detailgenauigkeit zu punkten, da die Sitten und Geflogenheiten sehr realistisch dargestellt werden. Auch werden immer wieder neue Erfindungen vorgestellt, so werden zu Anfang der Serien noch Kutschen genutzt, die immer weniger werden und zunehmend durch die ersten Automobile ersetzt werden. Auch Telefone und Radios werden im Laufe der Serie als neue Erfindungen vorgestellt. So schafft Downton Abbey es mehr als Familiendrama zu sein, nämlich auch eine kleine Geschichtsstunde.
Die Serie zieht sich über mehrere Jahre. So beginnt die erste Staffel im Jahr 1912 mit dem Untergang der Titanic und erstreckt sich bis Staffel 5 ins Jahr 1924. Dadurch sind mitunter große Zeitsprünge von Nöten. Leider verfehlt hier die Serie manchmal den richtigen Augenblick. So passiert es, dass zwei Charaktere über ein Thema einen Streit haben. Dann kommt ein Zeitsprung von zwei Jahren und die gleichen zwei Charaktere streiten noch immer über das gleiche Thema, ohne das in den zwei Jahren die vergangen sind, jemand die richtigen Argumente vorbringen konnte. Es scheint fast so, als wäre in der Zwischenzeit überhaupt nichts passiert. Die Serie setzt genau an den gleichen Handlungssträngen wieder an, als wären nicht inzwischen zwei Jahre vergangen. Lediglich die geschichtlichen Hintergrundinformationen wurden an das neue Jahr angepasst. Das ist nicht immer ganz passend und hätte geschickter gelöst werden können. Auch der Schnitt allgemein ist nicht immer passend. So haben beispielweise zwei Charaktere gerade einen wichtigen Dialog und mittendrin wird dann zu anderen Charakteren geschnitten. Wäre grundsätzlich kein Problem, wenn der wichtige Dialog der ersten beiden irgendwann auch wieder aufgegriffen würde. Doch genau das passiert nicht, sondern irgendwann wird in einem Nebensatz der erste Dialog in einem anderen erwähnt und nur so erfährt der Zuschauer teils wichtige Informationen. Ansonsten verfügt Downton Abbey über einen sehr flüssigen Erzählstil und erlaubt einen in eine andere Zeit abzutauchen. Die Länge der Folgen variiert je nach Staffel zwischen 46 und 96 Minuten. Auch die Anzahl der Folgen variiert von 6-10 je nach Staffel.

Alles in allem ist Downton Abbey einfach nur ein Sehvergnügen. Ich habe selten so oft den Fernseher angeschrien, Charaktere gehässig ausgelacht und vor Freude mit den Beinen gestrampelt, wenn endlich etwas so kam, wie es ich es wollte, wie in dieser Serie. Und wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich habe meine Liebe für English Breakfast Tea wieder entdeckt und werde mir jetzt eine Tasse kochen – muss ich leider selbst machen, habe ja keine Diener und Butler.

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