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Am 01.12.2016 erschien die Verfilmung über die Notlandung auf dem Hudson River 2009 in den deutschen Kinos.

Captain Sullenberger stieg am 15.01.2009 in sein Cockpit. Doch nach Vogelschlag fallen beide Triebwerke aus und er ist gezwungen eine Notlandung auf dem eisigen Hudson River zu vollbringen. Hinterher wird er von den Medien als Held gefeiert, doch die Untersuchungskommision ist der Ansicht, dass Sullenberger die gefährlichste Variante gewählt hat und damit 155 Menschen an Bord in unnötige Gefahr brachte.

Das Jahr 2016 scheint wieder einmal vollgepackt zu sein mit Verfilmungen realer Ereignisse. Doch ob nun Snowden, Deepwater Horizon oder zuletzt Sully: bei allen Filmen war das Ende bereits durch die Medien sehr genau bekannt. Und so mussten sich die Drehbuchschreiber etwas neues ausdenken. Bei Snowden war es beispielsweise die persönliche Komponente, die bei allen Diskussionen und bei der großen Enthüllungsdokumentation komplett außer Acht gelassen wurde.
Auch Sully versucht neben der Erzählung der Geschehnisse eine menschliche Komponente einzubauen und wird hauptsächlich nach der Notlandung auf dem Hudson River erzählt. Die Erzählung basiert hauptsächlich auf dem Buch von Captain Sullenberger „Man muss kein Held sein“ und bietet daher viel Material aus dem innersten des Captains. Wir lernen zunächst Captain Sullenberger – kurz Sully – kennen, der noch mit den Nachwirkungen der Notlandung zu kämpfen hat. Er träumt schlecht, wird von den Medien umringt und hinterfragt sein Handeln selbst. War es wirklich die richtige Entscheidung die waghalsige Landung auf dem Hudson zu wagen, oder hätte er doch einen naheliegenden Flughafen erreichen können? Kurz darauf lernen wir seinen Co-Piloten Jeff Skiles kennen, der sich mit ähnlichen Fragen befasst, aber ungetrübt aller Gedanken der Ansicht ist, dass Sully ihm das Leben gerettet hat. Nur leider ist der Untersuchungsausschuss anderer Ansicht. Schnell haben die die Vorfälle digital nachgespielt und sind der Ansicht, dass das Erreichen zweier Flughäfen durchaus im möglichen lag. Gleichzeitig wird die Behauptung in die Runde geworfen, dass nur eins von zwei Triebwerken ausfiel und nicht beide, wie Sully und Skiles behaupten. Geschockt von der Aussicht, dass durch die Ergebnisse der Untersuchung beide Karrieren vor dem Aus stehen, obwohl sie ihrer Ansicht nach richtig handeln, müssen beide nun ihr Handeln weiter hinterfragen.
Sully wird nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt bereits nach der Notlandung. Erzählt wird von diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Untersuchung chronologisch. Unterbrochen wird die Handlung mit drei Rückblenden der Ereignisse. Einmal aus der Sicht der Passagiere und Flugbegleiterinnen, einmal aus der Sicht eines Mitarbeiters des Towers, der versuchte auf allen möglichen Flughäfen freie Landebahnen zu bekommen und ganz am Ende aus Sicht von Sully und Skiles. So waren die Ereignisse zwar bekannt, aber man bekam sie aus allen Sichtweisen einmal erzählt. Der Großteil der Handlung wird aber komplett aus Sullys Sicht erzählt und beschreibt seinen inneren Konflikt und seine Selbstzweifel, ob er wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. Er wird hin- und hergerissen zwischen den Medienberichten und -interviews, die ihn als Helden sehen, was er so nicht unterschreiben möchte, schließlich habe er nur seinen Job gemacht, sowie alle anderen Beteiligten auch, und dem Untersuchungsausschuss, die ihm sehr schnell menschliches Versagen unterstellen wollen. So nimmt sich der Film viel Zeit den Geschehnissen eine menschliche Komponente hinzuzufügen und zu zeigen, dass trotz des Überlebens nicht sofort alles in Wohlgefallen endet. Das Sully trotz seiner Selbstzweifel und Albträume sich auch noch sehr ernstzunehmender Kritik aussetzen muss.
Spannungstechnisch hatte es Sully nicht einfach. Denn der Ausgang der Notlandung selbst ist durch die allgemeinen Medienberichte den meisten Zuschauer bekannt. Für alle, denen es entfallen ist, wird es gleich zu Anfang aufgelöst, womit sich der Film leider ein Eigentor schießt. Daher versucht Sully gar nicht erst, die Notlandung selbst als das Spannungstragende Element zu etablieren, sondern konzentriert sich auf die Handlung nach den Geschenissen. Während die Verhandlungen mit dem Untersuchungsausschuss den Spannungsgrad heben und es durchaus interessant ist Sullys innere Zerissenheit darzustellen, wird hier leider ein zu hoher Wert gelegt, so dass trotz einer kurzen Spielzeit von 96 Minuten, trotzdem mitunter Längen entstehen.
Auch werden zwischendurch Szenen, vermutlich aus Sullys Jugend, eingeblendet, die aber weder eine Aussage über seinen Charakter treffen, noch in irgendeinerweise die Handlung bereichern oder vorantreiben. Daher sind diese komplett überflüssig und strecken den Film unnötig um ein paar Minuten. Außerdem werden mitunter Themen angesprochen, wie beispielsweise, dass Sully familiäre Probleme haben könnte, die weder verneint noch genauer beleuchtet werden und daher auch überflüssig sind.
Sully endet mit der Hauptverhandlung über sein angeblich menschliches Versagen. Hier steigt die Spannungskurve noch einmal an, denn dieser Teil wurde in den Medien nur wenig genannt. Leider werden hier ganz am Ende noch einmal ein paar heroisierende Reden gehalten, die nicht zum Grundton des Films passen. Schön zu sehen ist hingegen, dass im Abspann noch einmal die Überlebenden eingeblendet werden, die ihre Sitznummer nennen. So geht man aus dem Kino und macht sich noch einmal bewusst, dass die Ereignisse des Film wirklich passiert sind und das reale Menschen dahinter stecken.
Tom Hanks übernimmt die Rolle des Captain Sullenbergers und spielt die Rolle mit gewohnter Souveränität. Auch die anderen schauspielerischen Leistungen waren sehr souverän, wobei keine genauer hervorstach.

Alles in allem hat Sully ein paar Schwächen in der Umsetzung und kämpft mit dem Problem, dass das Ende bekannt ist. Trotzdem wurde ein interessanter Ansatz gefunden, der aber mit leichten Mängeln umgesetzt wurde. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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