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Am 24.11.2016 erschien ein Film über die Ereignisse auf der Ölplattform Deepwater Horizon in den deutschen Kinos.

Durch Verzug im Dienstplan und Leistungsdruck der geldgebenden Firma BP werden auf der Deepwater Horizon die nötigen Kontrollen nicht genau durchgeführt. Doch kurz darauf tritt Öl aus und löst eine Kettenreaktion aus. Die Mitarbeiter auf der Deepwater Horizon müssen von nun an um ihr Leben kämpfen.

Am 20.04.2010 kam es zu einer Katastrophe, die zu nächst 11 Menschen das Leben kostete und im Nachhinein unzähligen Tieren. Das ausgetretene Öl sorgte für eine der größten Naturkatastrophen der Neuzeit. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Katastrophe und wie haben es die Mitarbeiter vor Ort erlebt? Deepwater Horizon beschäftigt sich genau mit diesen Fragen. Auch hier ist, wie auch schon bei Sully, der Ausgang durch die Medien bekannt. Darum wurde auch hier das Augenmerk auf die menschliche Seite gelegt. Auf die Mitarbeiter, die gerade vor Ort waren und wie sie um ihr Überleben kämpfen mussten.
Zu Beginn lernt der Zuschauer Mike Williams kennen, den Cheftechniker, wie er zu Hause mit seiner Familie frühstückt und seine Tochter ganz stolz von ihrem Schulreferat über seine Arbeit erzählt. Als nächstes wird Andrea Fleytas vorgestellt, die Probleme mit ihrem Auto hat. Das führt dazu, dass der Zuschauer sich zunächst mit den ganz normalen Alltagsproblemen der Charaktere identifizieren kann und sie nicht nur als namen- und charakterlose Mitarbeiter auf der Deepwater Horizon sieht. Dann geht es auch schon per Hubschrauber auf die Bohrinsel. Auf dem Flug und in den ersten Szenen auf der Deepwater werden auch noch die übrigen wichtigen Charaktere vorgestellt. So auch Donald Vidrine, dem Vorstandsvorsitzenden von BP. Da die Crew der Deepwater 43 Tage hinter dem Zeitplan liegt und dies BP viel Geld kostet, ordnet Vidrine an, die nötigen Sicherheitstests abzukürzen. Bereits zu diesem Zeitpunkt merkt der Zuschauer, dass etwas nicht stimmen kann, denn die Kamera fährt immer wieder an dem Bohrer entlang und sieht kleine Löcher, die nicht gewartet wurden. Auf Drängen von Vidrine stimmt Jimmy Harrel, Chef der Deepwater, zu, nur einen kleinen Test durchzuführen, der jedoch kein eindeutiges Ergebnis liefert. Es kommt, wie es kommen musste, und Öl und Ölschlamm sprudeln aus allen Löchern und verletzen dabei die ersten Mitarbeiter. Ab hier wird in den Panikmodus umgeschaltet und der Zuschauer fiebert nun mit den Charakteren um deren Überleben. Die Rettungsbote sind schnell überfüllt und durch eine Kettenreaktion verschärft sich die Lage an Bord immer mehr.
Durch eine gute Einführung der Charaktere ist ein Mitfiebern während des großen Showdowns unausweichlich. Die Spannungskurve wird aber schon am Anfang hochgetrieben, da man als Zuschauer ständig die Anzeichen der Katastrophe gezeigt bekommt, aber trotzdem hilflos mit ansieht, wie die Mitarbeiter nur bedingt etwas merken und reagieren können. Nach Beginn der Katastrophe steigt die Spannungskurve noch einmal rasant an und bleibt bis zum Abspann bestehen. Durch die Spiellänge von 107 Minuten wird genau die richtige Länge gewählt, um die Geschichte zu erzählen. Es entstehen an keiner Stelle Längen, es wird sich aber die benötigte Zeit genommen, um alle wichtigen Charaktere vorzustellen.
Als Kritikpunkt ist die klare Abtrennung von Gut und Böse zu nennen. Die Mitarbeiter der Deepwater Horizon sind ganz klar die Guten, die ihre Arbeit stets gut machen und auch alle Tests richtig durchgeführt hätten. BP und allen voran Vidrine sind die Bösen, die nur auf das Geld und nicht auf die Sicherheit geachtet haben. Natürlich kann dies durchaus der Realität entsprechen, aber es hätte vielleicht nicht so strikt dargestellt werden müssen, sondern mit ein paar Nuancen. Letztendlich nimmt dies aber keinen großen Spielraum ein, weil die Schuldfrage im Film nicht diskutiert wurde, sondern dem Zuschauer die Inspiration gelassen wird.
Der Film konzentriert sich wirklich allein auf das Geschehen an Bord und das Schicksal der Mitarbeiter. Einzige Verbindung auf das Festland ist zu Williams Frau, die kurz vorher noch mit ihrem Mann einen Videochat führte und nun im Fernsehen die ersten Bilder mit ansehen muss und unter keiner der Notfallnummern, die ihr Mann ihr gab, bekommt sie eine genauere Auskunft. So sieht man die Ereignisse praktisch, wie man sie selbst gesehn hat: in den Nachrichten, aber trotzdem vor dem Hintergrund, dass man selbst wahrscheinlich wenig Bezug zu den Mitarbeitern hatte.
Abschließend ist zu sagen, dass der Film die Sicht auf die Ereignisse noch einmal geändert hat. Denn vorher bekam man nur mit, dass es eine Katastrophe auf der Deepwater Horizon gab und die anschließenden Folgen durch das Auslaufen des Öls. Die menschliche Seite und das Menschen dort an Bord waren und um ihr Leben gekämpft haben, ist vorher wenig beleuchtet worden. Der Abspann lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Denn zum einen wurden noch einmal alle Mitarbeiter gezeigt, die an Bord ihr Leben verloren haben. Zum anderen wurden auch ein paar Informationen zu dem Gerichtsverlauf gegen BP eingeblendet.

Alles in allem ein spannender und gut gemachter Film, der noch einmal den Blick auf die Katastrophe ändert. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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