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Am 26.01.2017 erschien ein deutscher Film über das Erfüllen von Träumen auch mit Behinderung in den deutschen Kinos.

Saliya Kahawatte steht kurz vor seinem Abitur, als er durch eine Netzhautabtrennung 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen, schafft sein Abitur und möchte nun seinen Traum erfüllen und Hotelfachmann werden. Doch aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn kein Hotel. Also bewirbt er sich beim Bayrischen Hof, einem 5-Sterne-Luxus-Hotel, und verschweigt seine Behinderung einfach. Doch wie schafft man es zu verheimlichen, dass man nur 5% seiner Umgebung sehen kann?

Dass Menschen mit Behinderungen großartiges leisten können, ist inzwischen sehr bekannt. Sei es auf sportlicher Ebene, wie regelmäßig die Paralympics zeigen, oder auf geistlicher Ebene, wie beispielsweise Stephen Hawking zeigt. Doch wie schafft man es den ganz normalen Alltag mit einer Behinderung zu meistern? Und muss man automatisch auf alle seine Träume verzichten?
Saliya Kahawatte hat nur einen Traum: Er möchte nach seinem Abitur unbedingt in einem Hotel lernen. Doch mitten im Abitur bemerkt er plötzlich immer mehr verschwommene Flecken in seinem Blickfeld. Eine Untersuchung ergibt, dass Saliya einen angeborenen Sehfehler hat, der nun dazu beigetragen hat, dass sich die Netzhaut abgetrennt hat. Eine Notoperation soll zumindest noch einen gewissen Prozentsatz seines Sehvermögens retten. Am Ende bleibt ihm eine Sehkraft von 5%. Damit kann er sehr stark verschwommen gerade einmal Umrisse seiner Umgebung erkennen. Doch Saliya ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen. Mit Hilfe seiner Schwester und der Toleranz seiner Lehrer schafft er sein Abitur. Doch nun steht er vor dem nächsten großen Problem. Wie soll er mit 5% Sehvermögen seinen Traum in einem Hotel zu lernen wahr machen? Und so flattern eine Absage nach der nächsten ins Haus, egal wie viele Bewerbungen Saliya auch schreibt. So beschließt er das unmögliche zu versuchen. Er bewirbt sich in München am Bayrischen Hof und lässt seine Behinderung unerwähnt. Und schon bekommt er ein Vorstellungsgespräch. Mit viel Vorbereitung besteht er auch dieses und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Eigene Wohnung, die Ausbildung und keiner darf merken, dass er nichts sehen kann. Schnell findet er einen guten Freund in der Ausbildung, der ihm von nun an mit Tat und Rat zur Seite steht. Doch die Ausbildung ist schon für Leute mit vollständigem Sehvermögen sehr schwer durchzuhalten.
Mein Blind Date mit dem Leben basiert auf den wahren Ereignissen und dem Leben von Saliya Kahawatte. Die Möglichkeiten, die er ausschöpft, um sich durch die Ausbildung zu mogeln sind faszinierend. Trotzdem verläuft die Handlung selbst sehr nach dem altbekannten Schema ab. Ein Problem taucht auf, dass wird mit aller Macht versucht zu bekämpfen oder es wird zumindest versucht damit zu leben, doch dann nehmen die Hindernisse immer mehr Überhand, bis alles eskaliert und hinterher die Scherben wieder aufgesammelt werden müssen. Dieser Ablauf ist altbekannt, aber der Film konzentriert sich auch viel mehr auf Menschsein. Wie gehen Menschen mit einer Behinderung um, wie gehen sie damit um, wenn sie erfahren, dass jemand den sie kennen eine Behinderung hat. Bekommt man ewig eine Sonderbehandlung und wenn nicht mit welchen Mitteln muss man sich dann durchbeißen? Das faszinierende am Film ist hier, wie Saliya immer wieder neue Methoden findet, um Sachen durch Fühlen, Riechen und Tasten zu erlernen. Wie er Schritte zählt, um Abstände herauszufinden, und dabei so souverän geht, wie manch einer mit normalem Sehvermögen nicht.
Kostja Ullmann schlüpft ja gerne einmal auch in Rollen, die einen Migrationshintergrund haben, wie zuletzt auch in Drei Türken und ein Baby, in dem er einen Türken spielte. Er selbst ist in Deutschland geboren, aber seine Mutter ist ursprünglich Inderin. So war er die passende Besetzung für die Rolle des Saliya Kahawatte, dessen Vater Singhalese ist. Auch spielt Ullmann seine Rolle sehr souverän und bringt so das Leid und den Traum Saliyas dem Zuschauer nahe.
Der Film schafft es die Thematik Leben mit einer Behinderung respektvoll aufzugreifen und trotzdem einige humorvolle Momente einzubauen. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass das Leben oder auch eine normale Ausbildung zu machen erschwert wird, eine Behinderung aber kein Grund ist das Leben nicht mehr in vollen Zügen zu genießen und seine Träume zu leben. So geht man am Ende des Films mit einem positiven Gefühl aus dem Kinosaal.

Alles in allem ist Mein Blind Date mit dem Leben eine gefühlvolle Komödie zu schaffen, die aber durch das typische Schema etwas zu vorhersehbar wurde. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

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