Schlagwörter

, , , , ,

Ich schaffe es leider nur selten auf Konzerte zu gehen, da die Bands, die ich mag, leider selten in meiner Nähe spielen oder wenn sie mal in meiner Nähe spielen direkt ausverkauft sind. Doch als meine absolute Lieblingsband 8 Jahre nach ihrer Auflösung bekannt gab, dass sie anlässlich ihres 10 jährigen Bandjubiläums sich noch einmal zusammen tun und ein Jubiläumskonzert spielen, konnte ich nicht anders, als mich sofort auf eine der heiß begehrten Karten zu stürzen und meinen Freund zwangszuverpflichten mich nach Hamburg zu fahren. Begeistert schrieb ich mit mehreren Freunden, die ich erst durch die Band kennenlernte, und fand schnell Begleitung fürs Konzert.

img-20170204-wa0050

Panik startete im Jahre 2007 noch unter dem Namen Nevada Tan. Ich war damals süße 14 Jahre alt und die sechs schnuckeligen Bandmitglieder ließen mich meine ersten Fangirl-Momente erleben. Doch auch die Musik konnte mich begeistern und die Faszination für die Kombination aus Rock mit einzelnen Hip-Hop-Elementen (mit denen ich ansonsten bis heute nichts anfangen kann) hielt bis zum heutigen Tage. Auch wenn sie im Jahre 2009 ihre Trennung bekannt gaben, nach gerade einmal zwei Alben, hatte ihre Musik immer einen großen Platz in meinem Herzen. 2009 wollte ich dann schon unbedingt auf eines ihrer Abschiedskonzerte, hatte letztendlich auch eine Begleitung gefunden, die mich mit nach Hamburg nehmen würde. Leider platzte dann dieser Traum durch mangelnde Zeit. Viele Jahre war es nun ruhig um die Band, sie lebte aber in den Herzen der Fans weiter. Meine zwischenzeitliche Mitbewohnerin war auch relativ schnell textsicher, da ich meine WG beim Kochen gerne mit dieser Musik beschallte (aber hey, ihretwegen bin ich relativ textsicher bei den Toten Hosen). Mein Freund wurde inzwischen auch relativ häufig beschallt, weigert sich aber partout textsicher zu werden.

img-20170204-wa0015

Nach nun acht Jahren der Abwesenheit meldeten sich drei der ehemaligen Bandmitglieder zunächst mit einem neuen Song “Ausnahmezustand” unter dem neuen Namen Zorkkk zurück. Kurz darauf dann die Ankündigung: Aufgrund des 10-jährigen Jubiläums seit ihrem Durchbruch 2007 wird sich die alte Formation noch einmal vereinen und ein einziges Konzert in Hamburg geben. In kürzester Zeit wurde der Verkauf der Karten zum Selbstläufer, obwohl die Werbung lediglich über die sozialen Netzwerke lief. Aber wir Fans ließen es uns nicht nehmen auch weite Anfahrtswege in Kauf zu nehmen um “unsere Jungs” noch einmal zu sehen.
Letzten Freitag war es dann soweit, die Taschen waren gepackt, das Hörbuch im Autoradio eingespeist und ab ging die Fahrt nach Hamburg. Schnell ins Hotel eingecheckt und dann ging es auch schon zum Konzert. Meine fleißigen Freunde bibberten zu dem Zeitpunkt schon eine ganze Weile im kaltnassen vor der Tür. So konnte ich mich relativ weit vorne zu ihnen stellen, ansonsten wäre ich doch sehr weit hinten gelandet. Nach einer lautstarken Diskussion mit einem französischen Fan, der der Ansicht war sich nicht mal einen winzig kleinen Millimeter zur Seite zu bewegen, damit ich zumindest zwischen seinem Rücken und dem Rücken des nächsten gefühlt 2m großen Mannes hindurchschauen kann, konnte seine Freundin ihn letztendlich dazu bewegen zur Seite zu gehen und so konnte ich direkt hinter den Rollstuhlfahrern stehen und damit auch sehen (mit gerade einmal 1,55m ist das Sehen auf einem Konzert leider wirklich schwierig). Aber letztendlich stand ich und konnte nach links und rechts noch neue Bekanntschaften schließen.
Als Vorband wurde die befreundete Band Destination Anywhere (die vom Gitarristen Paniks produziert wird) engagiert. Mir war sie bisher unbekannt, aber auf jeden Fall haben sie Laune gemacht und diverse Alben der Band werden bestimmt noch in meinem Regal landen.
Dann ging es auch schon los. Im Laufe des zweistündigen Konzerts wurden nahezu alle Lieder gespielt, die jemals produziert wurden. Mitunter wurden Lieder nur kurz angespielt und dann nach dem ersten Refrain zum nächsten gewechselt. Aber so konnten mehr Lieder gespielt werden und die “wichtigsten” Lieder wurden in voller Länge gespielt.

Besonders schön zu sehen, war, dass alle angereisten Fans noch absolut textsicher waren. Die “Kreische-Teenies” von damals sind alle “alt” geworden und sangen lieber lautstark mit, als den Namen des Lieblingsbandmitglieds zu kreischen. Das Publikum war vor allem auch schön international, denn die Fans sind nicht nur von überall aus Deutschland angereist, sondern sogar große Gruppen aus Russland, vereinzelte aus Frankreich und ein Fan war sogar aus Kanada angereist. Und alle hatten sie die deutschen Texte gelernt (teilweise sogar ganze Deutsch-Sprachkurse belegt!) und konnten so lautstark mitsingen. Mitunter waren die Fans sogar textsicherer als die beiden Sänger.

Lediglich zwei Sachen sind bei diesem Konzert negativ aufgefallen. Zum einen fehlte leider der ursprüngliche Bassist, da dieser inzwischen in die USA ausgewandert ist und nicht nur für ein Konzert in die Heimat zurückfliegen wollte. Er wurde durch ein neues Gesicht ersetzt.
Zum anderen war der Konzertsaal (Knust in Hamburg) einfach viel zu klein für die Massen, die sich hinein drängten. Auch die Bühne war relativ klein – als ich von der Garderobe zum Konzertsaal ging, dachte ich erst, ich wäre irgendwo falsch abgebogen. Doch die kleine Bühne war tatsächlich die richtige. So quetschten sich insgesamt sechs Musiker auf die Bühne plus ein kleines Kamerateam. Da war nicht mehr viel Platz für Entertainment. Auch die Akkustik war hinter dem Niveau, das ich gewohnt bin auf Konzerten.

Aber ansonsten war die Stimmung super, man fühlte sich wieder um Jahre zurückversetzt und der Nackenmuskelkater am nächsten Tag (sehr unpraktisch, wenn man am nächsten Tag Sightseeing machen möchte) zeigte deutlich, dass man genügend geheadbangt hat. Und am Ende des Abends blieb einem, wie nach jedem Konzert, schmerzende Füße, ein schmerzender Nacken, viele glückliche Erinnerungen und eine Leichtigkeit im Herzen.

Advertisements