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Das erste was einem an einem Buch auffällt, dürfte wohl das Cover sein. Und das Cover von Daughter of Smoke and Bone hat mich zugleich in den Bann gezogen. Eine ausführliche Empfehlung und ein Blick auf den Klappentext später und schon stand es willig gelesen zu werden auf meinem Nachttisch.

Die 18 jährige Kunststudentin Karou lebt in Prag und würde eigentlich gerne ganz normal leben. Aber sie ist bei einem Wunschhändler und Chimären – halb Mensch halb Tier – aufgewachsen und muss für ihn immer wieder Aufträge erfüllen, was ihr Leben immer wieder sehr ungeregelt wirken lässt. Doch eines Tages tauchen merkwürdige Brandzeichen auf der Tür zu Brimstones Laden auf.

Das zweite, was mich an dem Buch gereizt haben dürfte, nach dem Cover, war wohl der Haupthandlungsort Prag. Während viel zu viele Bücher, die einen realen Handlungsort haben meistens irgendwo in den USA oder teilweise zumindest noch in Großbritannien spielen, reizte mich dieser “exotische” Ort in einer Fantasy-Geschichte sehr. Zumal ich erst 2015 mir einen eigenen Eindruck von der “goldenen Stadt” verschaffen konnte.
So schlug ich begeistert die ersten Seiten des Buches auf und lernte zunächst die 18 jährige Karou kennen. Sie schien auf dem ersten Blick sehr normal, studiert Kunst an der Hochschule in Prag, hat die gleichen Männerprobleme, die jeder von uns sehr gut kennen dürfte und hat ihre beste Freundin, die sie bei allem unterstützt. Die größte Auffälligkeit an ihr dürfte das strahlend blaue Haar sein. Doch Karou pendelt immer wieder zwischen zwei Welten. Die zweite Welt lernt der Leser als nächstes kennen. Wir gehen mit Karou durch eine versteckte Tür in den Brimestones Laden. Hier lebt der Chimäre – eine Mischung aus Mensch und Tier – zusammen mit drei Helfern. Auch Karou ist hier aufgewachsen und kannte lange Zeit nichts anderes als diesen Laden. Brimstone ist Wunschhändler. Er tauscht Zähne gegen Wünsche ein. Und Karou geht für ihn immer wieder auf kleine Missionen, um Zähne in aller Welt zu erstehen. Durch die gleiche Tür, durch die sie von Prag aus eintrat, kann sie in alle anderen Städte der Welt gehen. Durch diese kleinen Missionen, die sich immer mehr zu häufen scheinen, gerät jedoch Karous erste Welt immer wieder etwas aus dem Gleichgewicht. Eines Tages taucht der Engel Akiva auf. Er markiert die Tür zu Brimstones Laden mit einem flammenden Handabdruck. Doch dann trifft er auf Karou und für beide ändert sich einiges.
Daughter of Smoke and Bone überzeugt durch einen sehr flüssigen Schreibstil und einer unglaublich spannenden Geschichte, die einen das Buch verschlingen lässt. Nach der ausführlichen Einführung der wichtigsten Charaktere, gewinnt die Handlung zunehmend an Fahrt. Zwischendurch gibt es leider immer wieder kleine Durchhänger, in denen man sich fragt, was die Charaktere damit genau bezwecken. Aber das große Geheimnis um Karous Herkunft, das sie selbst nicht kennt, schwebt immer wieder über der Handlung und lässt einen begierig weiterlesen.
Der größte Kritikpunkt an Laini Taylors Werk dürfte ihre Verliebtheit in die Charaktere sein. Karou ist nämlich nicht nur außergewöhnlich hübsch, sie ist auch noch klug, natürlich die Begabteste an der Kunsthochschule, in allem, was sie tut, sehr geschickt und ihr einziger “Makel” ist ihr schlecht gewählter Ex-Freund. Bei der ausführlichen Beschreibung ihrer Person, wollte ich das Buch zunächst im hohen Bogen aus dem Fenster werfen, denn so perfekte Frauen gibt es nirgendwo, auch nicht im Laden eines Wunschhändlers. Ich gab dem Buch aber noch eine Chance und dies blieb auch der größte Fehler des Buches. Die anderen Charaktere wurden im Laufe des Buches mit weitaus mehr Tiefgang beschrieben.
Daughter of Smoke and Bone wird aus der Sicht von Karou und Akiva geschrieben. So erfährt man von beiden Protagonisten die Gedankenwelt und hilft auch bei der Erzählung der Geschichte von beiden Seiten. So ist kein eindeutiges Einteilen in Gut und Böse möglich, sondern alle Seiten werden mit Vor- und Nachteilen versehen. Nur das die Sichtwechsel mitunter sehr plötzlich passieren und man dann sehr schnell umdenken muss, ist auf Dauer etwas nervig, stört letztendlich aber nicht den Lesefluss.
Prag ist als Hauptort der Geschichte gut gewählt und schmiegt sich sehr passend in die Handlung ein. Auch die übrig besuchten Städte, wie Marrakesch in Marokko passen zum Flair der Geschichte. Die fiktiven Orte der Chimären sind gut beschrieben und man kann es sich beim Lesen gut vorstellen, wie es dort aussehen soll.

Alles in allem ein sehr spannender Einstieg in eine neue Fantasy-Trilogie. Ich bin gespannt, was die Fortsetzungen zu bieten haben.

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