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Nachdem Mr. Robot im letzten Jahr regelmäßig Nominierungen bei den Emmys, den Golden Globes und ähnlichem erhielt und dabei auch den ein oder anderen Preis abräumte, wagte ich mich endlich auch einmal an die Serie. Diese Kritik bezieht sich auf die erste Staffel.

Elliot Anderson arbeitet am Tag bei einem IT-Sicherheitsunternehmen, in der Nacht hackt er die Daten seiner Mitmenschen. Gleichzeitig leidet er unter Persönlichkeitsstörungen und Angstzuständen. Eines Tages erfährt er von dem ominösen Mr. Robot und der Hackergemeinde f-society. Er beschließt sich ihnen anzuschließen und gegen den Multikonzern E Corp vorzugehen und damit das globale Finanzsystem zum Einsturz zu bringen.

Mr. Robot befasst sich mit mehreren großen Themen und schnürt diese zu einem einzigen. Zum einen ist da die Verantwortung der Unternehmen. E Corp – von Elliot immer nur Evil Corp genannt – ist ein großer Multikonzern, der sich jedoch mehr um seine Finanzen als um seine Mitarbeiter kümmert. So kam es, dass Mitarbeiter Giftmüll ausgesetzt waren und dadurch an Leukämie erkrankten und starben. So auch Elliots Vater und die Mutter von Angela Moss, Elliots Kollegin und eine gute Freundin. Das zweite große Thema der Serie ist die Hackerszene. Die f-society um Mr. Robot, der Elliot beitritt, ist nur ein ganz kleines Licht. Im Laufe der Staffel haben sie aber immer wieder Kontakt zu anderen Hackergemeinschaften. Das dritte Thema ist Drogenkonsum und -vertrieb. Elliot selbst nimmt regelmäßig Morphium, versucht aber nicht abhängig zu werden. Seine Freundin Shayla ist seine Dealerin, steht aber im Abhängigkeitsverhältnis zu größeren Dealern. Beim vierten und letzten großes Thema geht es um Elliots Persönlichkeitsstörung und seinen Angstzuständen, mit denen er tagtäglich zu kämpfen hat. Woher rühren diese und wie kann er seinen Alltag mit Ihnen bewältigen? Durch diese vier großen Themen ist die Serie mehr als überfüllt. Sie springt wild hin und her, behandelt jedes Thema am Rand, aber nie gründlich.
Zeitgleich hat Mr. Robot sehr viele Figuren, die nur gelegentlich einmal auftreten oder die etwas häufiger auftreten, aber niemals richtig vorgestellt wurden. So wird selbst in der f-society auf Elliot, Mr Robot und Darlene der Fokus gelegt und die anderen Mitglieder immer mal wieder nebenbei erwähnt, wenn sie gerade einmal nützlich für die Serie wurden. Auch bei Allsafe Cybersecurity, der IT-Sicherheitsfirma, bei der Elliot arbeitet, werden einzelne Charaktere vorgestellt, teilweise charakterisiert und dann wieder abgelegt, weil sie nicht mehr wichtig genug sind. So lernt der Zuschauer im Laufe der Serie viel zu viele Charaktere kennen, um sie dann doch wieder zu vergessen. Hier wäre, wie auch schon bei den Handlungsthemen, weniger eindeutig mehr gewesen.
Aber wieso hat Mr. Robot dann so viele Nominierungen bekommen? Das liegt zum einen an der sehr guten Erzählstruktur, die einem durch das Wirrwarr der Handlung verhilft. So erzählt Elliot seine Gedanken, Weltanschauung und Beweggründe einem unsichtbaren Freund. Es wird immer als off-Stimme eingeblendet und dient so als Erzähler, um die teilweise doch verwirrenden Handlungen oder die technischen Begriffe besser nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig ist dies ein weiteres Indiz für Elliots Persönlichkeitsstörung, da er sich im Laufe der Staffel mehrfach fragt, wem er das denn alles erzählt, da sein Freund doch nur eingebildet ist.
Als zweiter Grund für die vielen Nominierungen ist zu sehen, dass die Serie trotz verworrener und überquellender Handlung immer noch einen großen Spannungsbogen schafft. Gebannt sieht man Folge für Folge, wie Elliot mit all seinen Problemen zu kämpfen hat und trotzdem irgendwie den Alltag meistert.
Ein weiterer großer Erfolgsfaktor ist Rami Malek, der Elliot Anderson spielt. Er schafft es perfekt den schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn bei Elliot zu verkörpern. Dabei spielt er ganz nuanciert und bezieht immer wieder mit ein, dass Elliot größtenteils unter Drogeneinfluss steht. So kann man sich stets in den Protagonisten hineinversetzen, auch wenn man seine Handlungen nicht immer nachvollziehen kann.

Alles in allem ist Mr. Robot eine Serie mit Stärken und Schwächen. Schon nach den ersten Folgen sollte für den Zuschauer feststehen, ob sie mit den Schwächen klar kommt, oder nicht. Mich persönlich hat die Serie nicht richtig abholen können, weswegen ich noch nicht sicher bin, ob ich mir auch die zweite Staffel ansehen werde.

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