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Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Florence Foster Jenkins. Der Film lief ursprünglich ab dem 24.11.2016 in den deutschen Kinos.

Madame Florence Foster Jenkins ist sehr wohlhabend, aber auch sehr krank. Ihr einziger Lebensinhalt ist die Musik. Da ihr das Klavierspiel durch eine Nervenschädigung verwehrt bleibt, singt sie für ihr Leben gerne Arien. Das einzige Problem an der Sache: Sie kann absolut nicht singen. Doch ihr Mann St. Clair Bayfield setzt alles daran, dass sie ihren Traum leben kann und niemals erfährt, wie schlecht sie singt.

Jahr für Jahr treten bei den verschiedensten Castingshows im deutschen Fernsehen Leute an, die unbedingt wollen, dass ihr Talent entdeckt wird. Gerade offene Gesangscastings zeigen aber schnell, dass nicht jeder das Talent hat, was er in sich selbst zu schlummern glaubt. Aber was, wenn man gar nicht auf die Castingshows angewiesen wär, sondern gleich das nötige Geld hätte, um Konzerte geben zu können oder gar Platten aufzunehmen?
Florence Foster Jenkins lebt praktisch nur für die Musik. Durch ein großes Erbe ist es ihr vergönnt, ihr ganzes Leben nach der Musik auszurichten. Bereits als Kind spielte sie begeistert Klavier und feierte Erfolge damit, doch nach einer Erkrankung, die unter anderem ihre Nerven schädigte, kann sie nicht mehr spielen. Also widmet sie ihr Leben nun auf andere Weise der Musik. Zum einen spendet sie immer wieder großzügig an verschiedene musikalische Einrichtungen, zum anderen singt sie für ihr Leben gern. Dafür engagiert sie extra einen Gesangslehrer von der Metropolitan Opera und den Klavierspieler Cosme McMoon. Dieser ist sehr überrascht, als er sie zum ersten Mal singen hört. Denn Madame Jenkins Gesang besteht aus einer Aneinanderreihung schiefer Töne und der Nichtachtung des Takts. Doch ihr Mann und ihr Gesangslehrer loben ihren Gesang in den höchsten Tönen. St Clair Bayfield, ihr Mann, setzt eine Menge Geld ein, damit immer nur ausgewählte Menschen ihren Gesang hören und sie hinterher loben können. Denn eine echte Kritik, so befürchtet er, könnte ihren Gesundheitszustand verschlechtern.
Florence Foster Jenkins ist ein etwas gespaltener Film. Denn zum einen thematisiert er eine unglaubliche Leidenschaft zur Musik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und einer tiefen Freundschaft. Andererseits spielt er 1944, also noch mitten im zweiten Weltkrieg und thematisiert nebenbei die schrecklichen Folgen einer Krankheit. Die Grundstimmung ist jedoch während des ganzen Films sehr positiv. Die “negativen” Aspekte, wie Krieg und Krankheit werden dabei dem Zuschauer etwas untergeschoben. So kann man Florence Foster Jenkins mit einer Leichtigkeit gucken und sich an Madame Jenkins Auftritten erfreuen, ohne genauer über die ganzen Umstände nachzudenken. Trotzdem trifft einen gleichzeitig ihre Geschichte, denn sie singt sich – trotz schiefer Töne – in die Herzen der Zuschauer.
Das liegt vor allem an Meryl Streeps Schauspielkünsten. Diese schwanken bekanntlich von Film zu Film, aber als Florence Foster Jenkins ist sie wieder in Höchstform. In einem Interview sagte sie, dass für sie die größte Hürde der Rolle war, wirklich schief zu singen. Bereits in Mamma Mia zeigte sie, dass sie eigentlich singen kann und auch für Florence Foster Jenkins arbeitete sie mit einem Lehrer für Arien zusammen. Erst kurz vor Drehbeginn musste sie lernen diese Lieder schief zu singen. Vor allem die Überwindung zu haben Lieder bewusst schief zu singen, im Bewusstsein, dass jeder der dies hört unweigerlich anfangen wird zu lachen. Chapeau Mrs Streep!
Die übrigen Schauspielleistungen siedeln sich souveränen Bereich an und stechen nicht heraus. Lediglich Simon Helbergs Synchronstimme scheint nicht so richtig zu seiner Rolle zu passen. Sie spricht sehr hoch und piepsig und schafft die Betonungen der Mimik nicht widerzuspiegeln.
Der Film erzählt die Geschichte sehr geradlinig, ohne Schnörkel oder überflüssige Dialoge. Dabei überzeugt vor allem das Gute Herz von Madame Jenkins, was den Film so sehenswert macht. Ein richtiger Spannungsfaktor kommt nur bedingt auf, ist bei diesem Film aber auch überflüssig.

Alles in allem ein Film, der die Herzen berührt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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