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Am 11.05.2017 erschien eine Neuinterpretation der Arthus-Sage von Guy Ritchie in den deutschen Kinos.

Arthur wächst als Waisenkind in einem Bordell auf. Auf königliche Weisung wird er zusammen mit anderen Männern seines Alters zum Schwert im Stein gebracht. Zur Überraschung aller zieht er diesen heraus und präsentiert sich damit als rechtmäßiger König von England. Für den derzeitigen Tyrannen auf dem König ist er jedoch ein Dorn im Auge. Und so muss Arthur plötzlich um sein Leben und für sein Volk kämpfen.

Die Arthussage dürfte vielen ein Begriff sein, zumal bereits die Kinder in der Disney-Variante “Die Hexe und der Zauberer” an die Thematik herangeführt wurden – die sich zudem auch mehr an die eigentliche Sage hält. Guy Ritchie, der zuletzt mit “Codename UNCLE” erfolg feierte, nimmt die Sage nämlich nur als grobes Vorbild für seinen Film und verwischt dabei ziemlich viel. Im Endeffekt bietet er uns seine ganz eigene Interpretation der Sage, die bei finanziellem Erfolg in fünf Fortsetzungen gipfeln soll. Die Mehrheit konnte der Film bisher nicht überzeugen. Doch woran liegt das?
Zunächst natürlich an der stiefmütterlichen Behandlung des Themas. Während in der ursprünglichen Sage Mordred der Neffe Arthurs ist, der ihn letztendlich verrät und die beiden in einen Zweikampf ziehen, so ist in Ritchies Variante Mordred ein Zauberer, der sich der schwarzen Magie verschrieben hat und bereits gegen Arthurs Vater in den Krieg zieht. Dies soll nur als Beispiel dienen, wie Ritchie immer wieder Handlungen und Namen aus der Sage aufnimmt und doch seine ganz eigene Geschichte herum spinnt. Lediglich die Schlüsselmomente bleiben gleich. So wächst Arthur in einem Bordell auf, großgezogen von drei Prostituierten, die er während er heranwächst, immer wieder vor brutalen Freiern rettet. Als er schließlich ein Mann ist, werden alle Männer seines Alters zu einem Schwert gebracht, das in einem Stein steckt. Jeder dieser Männer soll versuchen das Schwert aus dem stein zu ziehen. Jeder scheitert. Bis Arthur es schafft. Überwältigt von der Macht des Schwertes, wird er außer Kraft gesetzt und von den Soldaten des Königs gefangen genommen. Sein Leben und seine Identität sind komplett auf dem Kopf gestellt. Um zu überleben, stößt er auf eine Rebellengruppe, die den derzeitigen König Vortigern stürzen und Arthur auf den Thron helfen wollen.
Der zweite Grund, weswegen Ritchies Variante bisher die Allgemeinheit nicht überzeugen konnte, ist die sehr verwirrende Erzählweise. Durch schnelle Schnitte und überlagerne Erzählungen, die zeitgleich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen – wobei man nicht einmal genau bestimmten könnte, welche Zeitebene jetzt welche Szene verkörpert – und den Zuschauer dabei des öfteren verwirrt zurücklassen. Durch die Schnitte verschwimmen auch des öfteren ganze Szenen und man verliert zeitweise den Überblick, was denn jetzt gerade genau vor sich geht. Auch scheint der Film an manchen Stellen nicht so genau zu wissen, worauf er denn jetzt eigentlich hinaus will und wann das große Finale starten soll.
Dennoch hat King Arthur: Legend of the Sword einige Argumente, die den Film zu gutem Popcornkino machen. Wenn man nämlich die Handlung nicht ganz so schwer wichtet und einem die Vorlage relativ egal ist, dann kann Ritchies Werk durchaus Spaß machen.
Der erste Grund dafür sind die vielen Dialoge, die zwar sehr verworren erzählt werden, aber dabei eine ganz eigene Dynamik entwickeln, die den besonderen Charme des Films ausmachen. So überzeugen selbst längere Dialoge, ohne langweilig oder ausufernd zu wirken.
Der zweite Grund ist die absolut grandiose Musik von Daniel Pemberton, die einen in eine andere Zeit zurückzieht, den Zuschauer im Kinosaal einhüllt und sich an jede Szene im Film schmiegt und einfach immer passt. Ohne nur eine Szene zu sehen, erkennt man den Film spielend an seinem Soundtrack, der einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Der dritte und größte Grund dürfte die Optik des Films sein. Beeindruckende Bauwerke, atemraubende Landschaftsaufnahmen – Wales und Schottland sind an Schönheit eben kaum zu überbieten – und gut getroffene Fantasy-Gestalten reihen sich aneinander und machen King Arthur zu einem Film, für den das Kino geschaffen wurde. Ein kleiner Fernseher kann die Bildgewaltig nicht einfangen. Auch lohnt es sich dieses Mal den Aufpreis für 3D zu bezahlen, denn der Film versteht es den Effekt gekonnt auszunutzen und mehr als einmal etwas in Richtung Zuschauer fliegen zu lassen. Trotzdem wird der Effekt nicht übertrieben genutzt, so dass er einem langweilig werden könnte, sondern auch immer nur an passenden Stellen.
Charlie Hunnam als King Arthur spielt seine Rolle souverän und kann den Zwiespalt zwischen seiner Vergangenheit und seiner neuen Identität gut darstellen. Als Gegendarsteller wurde ihm niemand geringeres als Jude Law an die Seite gestellt, der schon mit  wenigen Blicken Ehrfurcht herstellen kann. Ohne Law wäre seine Rolle des Vortigern wohl auch nicht immer ernst zu nehmen gewesen, da er doch immer wieder die eifersüchtiger jüngerer Bruder-Karte spielen muss. Doch Law überzeugt und auch Hunnam schafft es sich mit der Schauspielgröße zu messen ohne dabei unterzugehen. Auch beim übrigen Cast war es eine gute Entscheidung der Produzenten auf Gesichter zu setzen, die man zwar bereits mal gesehen hat, aber nicht die ganz großen Namen zu nehmen. So konnte man die Rollen sehr unvoreingenommen ansehen, auch wenn in Aiden Gillans Lächeln für jeden Game of Thrones Fan immer das hinterlistige von Kleinfinger liegen wird.

Alles in allem ist King Arthur: Legend of the Sword gutes Popcornkino, bei dem man nicht zu genau auf die Handlung achten sollte, da der Film viele anderen Vorteile birgt. Wer einfach nur etwas für Augen und Ohren braucht und nicht zu viel nachdenken will, ist der Film genau das richtige. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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