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Autorin Veronica Roth hatte mit ihren Debütromanen rund um Tris Prior und Four ihren internationalen Durchbruch. “Divergent” “Insurgent” “Allegiant” und “Four” eroberten die Bestsellerlisten und teilweise auch die Kinoleinwände. Ich habe die Bücher verschlungen und liebe sie einfach, zumal sie mir in einer ganz bestimmten Zeit in meinem Leben beigestanden haben. Nun präsentierte uns Veronica Roth ihr nächstes Werk und ich hab mich natürlich auch hier gleich wieder darauf gestürzt.

Akos und seine Familie leben auf ihrem Heimatplaneten Thuve und hegen ein sehr friedliches Miteinander. Doch eines Tages werden Akos und sein Bruder Eijeh entführt, von Shotet-Kriegern, die auf dem gleichen Planeten leben, aber ein sehr kriegerisches Volk sind. In seiner neuen Heimat trifft er auf Cyra, die Schwester des tyrannischen Herrschers Ryzek. Akos und Cyra haben nun die Wahl sich zusammen zu tun oder sich gegenseitig zu zerstören.

Rat der Neun – gezeichnet ist der erste Band einer zweiteiligen Fantasy-Saga. Eine knappe Inhaltsangabe zu geben ist sehr schwierig, denn Roth schuf hier nicht nur eine komplett neue Welt, sondern gleich eine kleine Galaxie. So besteht die Welt hier aus vielen größeren kleinen und großen Planeten. Regiert wird die Galaxie vom Rat der Neun, da es neun größere Planeten gibt. Während jeder Planet mit einer Rasse, die sich immer in irgendeiner Hinsicht von den anderen unterscheidet, besiedelt ist, gibt es einen Planet mit zwei verfeindeten Rassen, den Thuvesier, die in Thuve leben, und den Shotet, die in Shotet leben. Das besondere an der Galaxie ist auch, dass die Menschen unterschiedliche Lebensgaben haben. Das heißt eine ganz besondere Eigenschaft, die sie von anderen unterscheidet. Und ganz besondere Menschen haben auch noch Schicksale, die eine Zukunft voraussagen, von der keiner weiß wann und unter welchen Umständen sie eintreten werden. Das erst einmal als Grundinformation zu der Welt. Das Buch konzentriert sich aber auf den geteilten Planeten und erzählt hier die Geschichte von Akos und Cyra (wie oben beschrieben).
Rat der Neun lässt sich zu Anfang viel Zeit, um die Welt und die Charaktere ausführlich vorzustellen Dabei werden einzelne Kapitel aus der Sicht von Akos und andere aus der Sicht von Cyra erzählt. Leider lässt sich das Buch ein bisschen zu viel Zeit für die Erklärungen, so dass sich die ersten zwei Drittel des Buches ziemlich zäh ziehen. Da hilft es auch nicht mehr, dass das letzte Drittel erheblich an Tempo und Spannung gewinnt. “Rat der Neun” soll eine zweiteilige Fantasyreihe werden. Ein paar Erklärungen weniger, wären dabei völlig ausreichend gewesen. Auch gab es immer wieder innere Monologe, die auch immer wieder das gleiche ausgesagt haben. Die Gedanken zu den einzelnen Lebensgaben und Schicksalen mochte man irgendwann einfach nicht mehr lesen.
Die Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet, auch wenn teilweise sehr viele Klischees eingesetzt wurden. Zum Beispiel ist Ryzek der tyrannische Herrscher über Shotet und behandelt sein Volk natürlich nicht gut, sondern interessiert sich nur für seine eigene Elite. Und natürlich ist das nicht sein eigenes Wesen, sondern sein Vater hat ihn zu diesem Monster gemacht. Von dieser Prämisse wird an keiner Stelle abgelassen, daher gibt es keine Charakterentwicklung. Das ist mitunter sehr schade. Lediglich die beiden Protagonisten Akos und Cyra entwickeln sich ständig weiter. Aber auch hier wurden einige Vorurteile eingebaut. An die Charaktertiefe aus Roth erster Reihe (Divergent und Co) von Tris und Four kommen Cyra und Akos nicht heran.
Was das Buch dennoch einen eigenen Reiz verleiht, ist Roth Schreibstil, der auch an sehr zähen Stellen noch mitreißend geschrieben ist. Ohne diesen hätte ich das Buch zwischenzeitlich wahrscheinlich längst aus der Hand gelegt.

Alles in allem bleibt Veronica Roth bei ihrem neuen Werk leider weit hinter ihrem vorher gezeigten Talent bezogen auf Charaktere und Handlung zurück. Ihr Talent neue Welten zu erschaffen bleibt bestehen. Wer sich durch die ersten zwei Drittel des etwas langatmigen Buches kämpfen konnte, wird mit einem sehr spannenden dritten Drittel belohnt.

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