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Willkommen in der Cinemathek, heute mit: 7 Minuten nach Mitternacht. Der Film lief ursprünglich ab dem 04.05.2017 in den deutschen Kinos.

Conor lebt bei seiner schwer kranken Mutter. Doch da diese sich kaum noch um ihn kümmern kann, tritt seine strenge Großmutter auf den Plan. In der Schule ärgern ihn die größeren Schüler. Eines Nachts erwacht die große Eibe vor seinem Fenster zum Leben und erzählt ihm drei Geschichten.

Als Kind gibt es wohl nicht schwierigeres und kein einschneidenderes Erlebnis als der Tod eines Elternteils. Noch schlimmer ist es wohl, wenn man ein Elternteil schon mehr oder weniger verloren hat und der andere nicht durch einen Unfall einen schnellen Tod hat, sondern man mit ansieht, wie das verbleibende Elternteil jeden Tag schwächer wird und man erkennen muss, dass der Tod nicht weit sein kann.
Genau bei dieser Überlegung, der wohl schwierigsten Kindheit – außerhalb der Krimihandlungen und Gewalttaten – setzt 7 Minuten nach Mitternacht an. Conor kämpft nicht nur mit alltäglichen Problemen eines Kindes, nicht nur mit den Prügeleien der größeren Mitschüler, nicht nur mit der Angst vor der strengen Großmutter und nicht nur mit der großen Entfernung zu seinem Vater. Conor kämpft jeden Tag mit der Angst seine Mutter zu verlieren und versucht sie am Leben zu halten und dabei noch den Haushalt zu führen. Dabei quält ihn jede Nacht der gleiche Alptraum. Eines Abend erwacht die alte Eibe vor seinem Fenster zum leben. Im ersten Moment wirkt sie furchteinflößend, doch sie will nur drei Geschichten erzählen.
Die Geschichten sind alle sehr schön gezeichnet und wirken wie Wasserfarbengemälde, so dass sie sich bildlich gut von der Haupthandlung abgrenzen. Die Geschichten sind vielfältig und zunächst versteht man nicht so Recht, was sie mit der Haupthandlung zu tun haben, bis sie sich durch Parallelen einfügen. Und die Geschichten sind eine gute Abwachslung zu der knallharten Haupthandlung. Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts ins übertriebene dramatische gezogen. Stattdessen wird sehr nüchtern der Leidensweg einer sterbenskranken Frau und ihres Kindes erzählt. Und genau diese schockierende Realitätsnähe ist es, was den Zuschauer ganz tief drinnen berührt und kaum ein Auge trocken lässt. Die Animation des Monsters ist ebenfalls sehr gut gelungen.
Die Charaktere des Film sind alle – bis auf das Monster – direkt aus dem Leben gegriffen. Neben der kranken Mutter, gibt es den Vater, der sich bereit vor der Krankheit von der Mutter trennte und nun im weit entfernten Los Angeles lebt und nur sporadisch zu Besuch kommt. Hier wird neben der eigentlichen Handlung auch noch die Klänge der Folgen einer Scheidung deutlich.
Die Darsteller sind gut gewählt. Felicity Jones ist wieder auf alter Höhe, wie bei „die Entdeckung der Unendlichkeit“. Lewis MacDougall macht im allgemeinen als Conor eine gute Figur, schwächelt aber in einigen Szenen doch an der Bandbreite der möglichen Emotionen.

Alles in allem überzeugt Sieben Minuten nach Mitternacht auf eine schmerzhafte Weise und lässt wohl kein Auge trocken. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

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