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Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Moonlight. Der Film lief ursprünglich ab dem 09.03.2017 in den deutschen Kinos.

Chiron lebt in Miami, ist Afroamerikaner und schwul. In drei Abschnitten wird sein Leben und seine Identitätssuche erzählt.

Es war der Skandal bei der diesjährigen Oscarverleihung. Während sich das Team von La La Land bereits freute die Königsdisziplin „bester Film“ gewonnen zu haben, ging im Hintergrund das Gerenne los. Bis schließlich wieder jemand ans Mikrofon trat und verkündete, dass es sich um eine Verwechslung handele und der rechtmäßige Gewinner Moonlight seie. Nachdem dann auch geklärt war, dass es sich nicht um einen Scherz handle, sondern wirklich Moonlight gewonnen hätte, war das Chaos auf der Bühne perfekt. Dieses Spektakel dürfte vielen zuerst einfallen, wenn sie an den Film Moonlight denken. Doch was kann der Oscargewinner nun?
Regisseur Barry Jenkins erzählt uns die Geschichte von Chiron. Chiron lebt in Miami, ist Afroamerikaner und schwul. Das ist die Ausgangssituation. In drei Lebensabschnitten, als Kind, als Teenager und als Erwachsener bekommt der Zuschauer Einblicke in Chrions Leben, das von seiner Identitätssuche und seiner Suche nach Vorbildern geprägt wird.
Zunächst zeigt Jenkins uns Chrions Kindheit, in der er von den meisten Leuten „Little“ genannt wird. Da seine Mutter drogenabhängig ist, ist er oft auf sich alleine gestellt. In Juan entdeckt er zusammen mit dessen Freundin Teresa Ersatzeltern. Doch Juan ist selbst Drogendealer und damit nicht ganz unschuldig an der Sucht von Littles Mutter.
Nach einem harten Schnitt wird das Teenagerleben von Chiron gezeigt, der inzwischen bei seinem richtigen Namen genannt wird. Auch als Teenager kämpft er noch mit den drogenabhängigen Launen seiner Mutter. Hinzu kommt seine Homosexualität, die er nicht offen zugeben mag, da er sowieso schon in einem Strudel aus Mobbing und Erniedrigungen steckt.
Nach einem weiteren harten Schnitt sehen wir Chiron als Erwachsenen. Inzwischen nennt er sich selbst Black und orientiert sich im Lebensstil an sein Vorbild aus Kindheitstagen Juan. Doch ein Anruf seines Kindheitsfreunds Kevin bringt ihn so sehr ins Wanken, dass er seiner alten Heimat Miami einen Besuch abstattet, obwohl er ihr seit Jahren den Rücken gekehrt hatte.
Moonlight zeichnet sich vorallem dadurch aus, dass er sehr wenig Dialoge hat, weswegen auch sehr wenig erklärt wird. Es wird vom Zuschauer erwartet in Handlungen und Blicke sehr viel hinein zu interpretieren. Dies klappt trotz guter Schauspielleistungen nur bedingt und so bleiben am Ende jeden Abschnittes mehr Fragen offen als beantwortet.
Mit einer Laufzeit von 111 Minuten ist Moonlight zu lang, um Spannung aufzubauen. Während dies in Abschnitt eins und zwei noch teilweise gelingt, baut Abschnitt drei in Spannungsfragen noch einmal ab und gerade das Ende zieht sich. Hier hätte man die ganze letzte Szene im Diner wegkürzen können und dem Film hätte nichts an Aussage gefehlt. Auch hat Moonlight zwar die Thematik der Homosexualität angesprochen und auch geht auch in ein paar Szenen drauf ein. Leider wird die thematik dennoch zu sehr vernachlässigt, als das sie eine wirkliche Rolle im Film spielt. Das Thema der Identitätsfindung und der Drogen sind viel präsenter, so dass es gereicht hätte sich auf diese beiden zu konzentrieren und trotzdem wäre ein runder Film bei herausgekommen.
Moonlight konnte von acht Nominierungen immerhin drei Oscargewinne einheimsen. Ob Moonlight nun wirklich ein besserer Film als seine Mitnominierungen war, darüber lässt sich streiten. Mahershala Ali gewann die Kategorie bester Nebendarsteller. Dies für seine doch relativ einfach gestrickte Rolle und seine kurze Screentime scheint doch von anderen Faktoren bestimmt, als die tatsächliche Leistung. Einen Dev Patel in Lion konnte er nicht übertrumpfen in seiner Darstellung. Auch der Oscar als bestes adaptiertes Drehbuch scheint angesichts der Konkurrenz nicht so richtig berechtigt.

Alles in allem erzählt Moonlight eine gute Geschichte, aber mit Schwächen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

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