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Ein Vorwort

Wer kennt es nicht? Der Blick in den Spiegel und schon hat man wieder eine Stelle gefunden, die man an sich so gar nicht schön findet. Die Nase ist zu dick, zu dünn, zu kurz, zu lang, zu knollig, zu hakennasig… Und das ist nur das Beispiel der Nase. Das ein oder andere Gramm Fett könnte an der einen oder anderen Stelle doch weichen. Für manche führt kein Weg mehr an einer verschönernden Operation vorbei, wieder andere schwitzen sich stundenlang im Fitnessstudio in Form oder hungern sich schön. Wieder anderen scheint ihr Aussehen total egal zu sein. Sie fühlen sich einfach wohl in ihrem Körper. Doch wie ist unser Blick eigentlich auf gewisse Schönheitsideale? Und wie viel bewirken wirklich der Charakter und die Ausstrahlung? Mit diesen Fragen befasst sich Amy Schumers neuer Film I feel pretty.

Die Handlung

Rene (Amy Schumer) findet sich absolut nicht schön. Um wenigstens etwas gegen ihre Fettpölsterchen zu tun, meldet sie sich zu einem Spinning Kurs an. Dort kommt es zu einem Unfall, bei dem sie einen ordentlichen Schlag gegen den Kopf bekommt. Und der neue Blick in den Spiegel, lässt auf ein Wunder hoffen. Denn auf einmal ist sie wunderschön, zumindest sieht sie sich so, denn für die Außenwelt bleibt sie unverändert. Mit neuem Selbstbewusstsein klettert sie fortan nicht nur auf der Karriereleiter weiter hoch.

Meine Meinung

Der Film beginnt an sich mit einer realitätsnahen Grundprämisse. Unsere Protagonistin ist mit ihrem Leben unzufrieden. Single, angestellt in ihrer Traumfirma, aber nicht in ihrer Traumposition. Für all das muss es doch einen Sündenbock geben. Der ist auch schnell gefunden. Sie findet sich nämlich nicht schön und darüber hinaus, schämt sie sich für ihren Hüftspeck. Also wird zumindest eins der Probleme mit motivierendem Sport versucht zu beseitigen. Während ihr einerseits Ablehnung entgegen kommt, was sie denn in so einem Sportkurs sucht, wird sie andererseits auch ganz normal behandelt. So weit, so realitätsnah. Denn wer war nicht schon mal in einem Fitnessstudio und musste sich die Blicke der durchtrainierten antun, was man selbst mit seinen paar Kilos zu viel auf den Hüften denn dort zu suchen hätte? Dann kommt der Unfall und schwupps sieht sich unsere Protagonistin selbst als wunderhübsch. Alles, was danach kommt ist ein Drahtseilakt zwischen guter Überlegungen, herzerwärmender Szenen und auf der anderen Seite einfach nur völlig überzogener Bullshit.
Denn zum einen wird Rene durch ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein aktiv, um ihr Leben neu zu gestalten. Natürlich reagieren ihre Mitmenschen erst einmal erstaunt, über ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein, aber nicht nur ihre Chefin überzeugt sie mit ihrer Art für eine bessere Stellung. Leider gehen auch hier schon einige Dialoge in die falsche Richtung und deuten an, dass sie nur aufgrund ihres „neuen“ Aussehens die richtige für die neue Stelle ist und nicht wegen ihrer anderen Qualitäten. Desweiteren zeigt Rene, dass sie – weil ja nun vorgeblich ihr einziges großes Problem aus der Welt geschafft wurde – endlich Spaß an ihrem Leben hat. Der große Haken an der Botschaft des Films ist aber, dass er nicht sagt, wenn du dich in deinem Körper wohlfühlst, entwickelst du genug Selbstbewusstsein, um endlich deine anderen Ziele im Leben zu erreichen. Sondern die Botschaft läuft eher darauf hinaus, dass er sagt, du wirst von vielen für dein Aussehen verurteilt, aber wenn du schön bist, dann darfst du alles sagen und machen. Das führt dazu, dass Rene sich durch „ihre Schönheit“ in ein arrogantes Miststück verwandelt. Hier hat der Film eindeutig seine eigentliche Botschaft verfehlt.
Als Komödie angelegt, krankt der Film leider auch hier. Denn Amy Schumer ist zwar für ihren eher deftigen Humor bekannt, lebt diesen hier aber so sehr aus, dass es nicht mehr wirklich witzig ist. So krankt der Film nicht nur an Botschaft und Handlung, sondern auch an seinem nicht funktionierendem Humor.

Das Fazit

I feel pretty ist ein Film, der sich das Thema Selbstakzeptanz auf die Farne geschrieben hat, es dann aber doch verfehlt. Letztendlich bleibt die Aussage, dass „schöne“ Leute oberflächlich sind und „hässliche“ Leute es im Leben nicht weit bringen. Auch Amy Schumers Humoreinlagen sind gewöhnungsbedürftig und reichen nicht aus, um die Komödie zu retten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

I feel pretty läuft seit dem 10.05.2018 in den deutschen Kinos.

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