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Ein Vorwort

Wenn man über den deutschen Film spricht, kommt man um einen Namen kaum herum. Michael Bully Herbig. Sein Schuh des Manitu ist an den Kinokassen noch immer einer der erfolgreichsten deutschen Filme. Doch nach vielen Jahren im Komödienbereich – erst letztes Jahr kam ein Kinofilm zu seiner Bullyparade – wendet er sich mit Ballon nun erstmals einem ernsten Thema zu: der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dazu nimmt er sich eine wahnsinnige Geschichte, die auch noch wahr ist und inszeniert diese nun mit einem ganz neuen Stil.

Die Handlung

Familie Strelzyk (Friedrich Mücke und Karolin Schuch) leben in Pößneck in Thüringen. 1979 ertragen sie es nicht länger unter dem DDR Regime. Also versuchen sie einen Fluchtversuch mit einem selbstgebauten Heißluftballon über die Grenze zu kommen. Doch der Versuch scheitert. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Stasi versucht die Vaterlandsverräter zu finden.

Meine Meinung

Basierend auf einer wahren Geschichte mit historischem Bezug. Diese Prämisse hat meistens das Problem, dass der geschichtlich interessierte Zuschauer den Ausgang der Geschichte bereits kennt. So auch hier, denn die bekanntesten Fluchtversuche aus der DDR sind nun einmal erfolgreich gewesen. Umso wichtiger ist es, die Geschichte an sich spannend zu erzählen und mit verschiedenen Facetten. Und genau das ist es, was Bully hier schafft.
Denn während man am Anfang etwas überrascht ist, weil die Ballonflucht gleich am Anfang thematisiert wird, kommt dann die Einsicht, dass es nicht 125 Minuten Flucht gibt, sondern am Anfang die erste Flucht scheitert. Nun wird aber nicht voller Tatendrang der nächste gebaut, sondern Bully schafft es geschickt verschiedene Charakterentwicklungsphasen zu kreieren und diese aufeinander aufbauend zu erzählen. So ist Familie Strelzyk zunächst total verängstigt. Nicht nur, dass sie bei dem Versuch hätten sterben können, die Gefahr gefasst zu werden, kommt ihnen im Nachhinein noch einmal viel realer vor. So überlegen sie doch zunächst in der DDR zu bleiben, bis der erste Schock so weit gesunken ist, dass man sich über andere Fluchtmöglichkeiten informiert. Natürlich kommt es irgendwann unweigerlich zum Bau des zweiten Ballons, doch der Weg dahin ist spannend inszeniert.
Denn während die Familie sich von dem Schock erholt und verschiedene Möglichkeiten durchgeht, hat man als zweiten Handlungsstrang die Ermittlungen der Stasi eingefügt. Denn diese jagt nicht nur einfach Vaterlandsflüchtige, sondern eine Familie, die das Ansehen der DDR im Westen weiter ins Lächerliche ziehen könnte. Durch diese duale Erzählweise schafft es Herbig einen hohen Spannungsgrad aufzubauen, der letztendlich in einen Wettlauf mit der Zeit mündet. Untermalt wird dies vom dem großartigen Score von Ralf Wengenmayr, der sich permanent steigert und so die Anspannung beim Zuschauer permanent erhöht.
Ballon ist intelligent geschrieben, hochgradig spannend, aber doch ruhig und bodenständig erzählt. Es wird sich genügend Zeit genommen, damit sich die Charaktere entwickeln können, und doch gibt es den permanenten „Wettlauf gegen die Zeit“-Faktor. Hinzu kommen die Bilder, die das kleine Städtchen Pößneck wieder in die Zeit der DDR versetzt. Und schließlich der Bau des zweiten Ballons und die zweite Flucht. Und obwohl man sich denken kann, wie der Film ausgeht, schafft es Bully uns noch einmal bis zur letzten Minute zittern zu lassen.

Das Fazit

Ballon ist einer der Filme, die ein altbekanntes Thema aufgreifen, aber mit einem guten Cast, einem grandiosen Score und gut in Szene gesetzte Bilder aufwatet und gerade mit dem spannenden und intelligenten Drehbuch punkten kann und so ein Kinogenuss für alle Sinne baut. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Ballon läuft seit dem 27.09.2018 in den deutschen Kinos.

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