Rückblick auf das 1. Quartal 2017 – Highlights und Enttäuschungen

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Hallo ihr Lieben,
wenn ihr das lest, bin ich hoffentlich bereits in London gelandet und konnte mein Hotelzimmer beziehen. Damit sich mein Quartalsrückblick aber nicht noch weiter nach hinten verschiebt – und ihr nicht eine ganze Woche auf ein Lebenszeichen von mir verzichten müsste 😉 – habe ich das Osterwochenende produktiv genutzt und meinen kurzen Rückblick erstellt. Im ersten Quartal habe ich 25 Filme gesehen (12 im Januar, 7 im Februar und 6 im März) und habe zusätzlich 5 Filme in der Cinemathek aus dem Jahr 2016 gesehen. Macht einen Schnitt von 30 Filmen, mit dem ich sehr zufrieden bin. Ausschlaggebend war natürlich die Oscarsaison, die im Januar startete, weswegen der Januar auch mein stärkster Monat ist (Zählung richtet sich nach dem Monat, in dem der Film in den deutschen Kinos erschien, unabhängig, wann ich ihn letztendlich gesehen habe). Ohne langes Geplänkel nun hier meine Highlights und Enttäuschungen des ersten Quartals im Ranking:

Die Enttäuschungen

Platz 5: Elle

Der französische Film über eine Frau, die etwas unkonventionell mit ihrer Vergewaltigung umgeht. Isabelle Huppert war für die Rolle als beste Hauptdarstellerin für die Oscars nominiert. Auch wenn ihr Spiel das einzige war, das den Film getragen hat, so konnte sie gegen die starke Konkurrenz nicht ankommen. Elle konnte jedoch weder mit dem Umgang mit der Thematik, noch mit ihren Charakteren wirklich punkten und landet so leider unter den Enttäuschungen.

Platz 4: The Boss Baby

Während Disney mit ihren letzten Animationsabenteuern wieder alle Register zog (Alles steht Kopf, Zoomania und auch Vaiana), fällt es DreamWorks schwer bei The Boss Baby die richtige Zielgruppe zu finden. Für Erwachsene zu kindlich, für Kinder zu viele Anspielungen, die sie einfach nicht verstehen können. So fehlen die richtigen Lacher, obwohl die Grundidee eigentlich sehr süß und schon sehr lustig war. Trotzdem hier Platz 4 für The Boss Baby, da er am Ende einfach zu vorhersehbar war.

Platz 3: Ghost in the Shell

Während Manga und Anime viele Fans gewann, verließen die Kinozuschauer die Realverfilmung mit Scarlett Johannson eher missmutig und enttäuscht. Das dürfte vor allem an den nichtssagenden Dialogen und dem Hauptaugenmerk auf die Bilder liegen. So sagt Ghost in the Shell praktisch nichts aus und charakterisiert auch seine Figuren nicht einmal ansatzweise. Ein bisschen mehr Hintergrundrecherche im Manga wäre hier angemessen gewesen.

Platz 2: Power Rangers

Wo wir bei platten und nichtssagenden Dialogen sind und Charakteren ohne Tiefe, haben wir im ersten Quartal gleich noch einen zweiten Vertreter. Auch Power Rangers basiert auf einem großen Franchise, fängt aber wieder ganz von vorne an. Während sich aber zwei Drittel des Films mit der Charaktereinführung befassen sollen, wird genau dies aber verpasst. So haben wir sehr platte und sehr austauschbare Charaktere und Power Rangers fehlt zusätzlich noch die außergewöhnlichen Bilder von Ghost in the Shell.

Platz 1: The Lego Batman Movie

Während ich den ersten Teil noch absolut feierte, bekam nun der heimliche Hauptcharakter des Lego Movies seinen eigenen Solofilm. Nur leider funktionierten die Gags, die den ersten Film absolut erheiterten, nicht, um einen ganzen Film daraus zu drehen. So war zwar für beinahe jedes Fandom etwas dabei, aber dafür eine sehr platonische und austauschbare Handlung und Gags, die einfach nicht richtig zünden wollten. So hat The Lego Batman Movie es auf meine Platz 1 der Enttäuschungen des ersten Quartals geschafft.

Die Highlights:

Platz 5: La la Land

Das Musical, das gleich zum Anfang des Monats einen absoluten Hype auslösen konnte. 14 Oscarnominierungen und davon immerhin 6 Oscars gewonnen (und beinahe auch in der Königsdisziplin 😉 ). Der Soundtrack ging unter die Haut und der Film ließ das Herz von Träumern höher schlagen. Mein Platz 5.

Platz 4: Verborgene Schönheit

Ein Film, der sich mit einer ganz anderen Art der Trauerbewältigung befasst. Viele mochten ihn nicht, weil er sehr emotional war und auch die Dialoge emotional hochtrabend war. Aber bei mir hat der Film genau einen Nerv getroffen und der grandiose Cast konnte absolut überzeugen.

Platz 3: Jackie

Natalie Portman in absoluter Bestform. Hier hätte ich ihr den Oscar für ihre Rolle als Jackie Kennedy absolut gegönnt. Fast 90% des Films hängt die Kamera an Portmans Gesicht und sie fängt die Verwirrung, die Trauer und die Maske hinter der sich Mrs Kennedy versteckte direkt nach der Ermordung ihres Mannes ein. Schauspielkunst auf höchstem Niveau.

Platz 2: Logan

Es war ein Abschied im Hause X-Men. 16 Jahre lang war Hugh Jackman Wolverine. In Logan verkörperte er nun die deutlich gealterte Version und muss mit ganz neuen Problemen kämpfen. Dabei schlug der Film einen für Superheldenfilme untypischen Ton an und traf dabei genau den passenden Nerv in der Fangemeinde. Ein würdiger Abschied.

Platz 1: Hidden Figures – unerkannte Heldinnen

Wie habe ich auf diesen Film gewartet, nachdem ich den ersten Trailer gesehen habe. Und er hat genau meine Erwartungen erfüllt. Ein Film mit einer schwierigen Thematik, der trotzdem einen sehr positiven und hoffnungsvollen Ton anschlägt. Er kombiniert Rassismus und Vorurteile mit Hoffnung. Mein Highlight im ersten Quartal 2017!

Und sonst so?

Ansonsten brachte uns The Great Wall viel Farbe und Action auf die Leinwand, ließ uns Split James McAvoy in 23 verschiedenen Rollen erleben, gruselten wir uns in A Cure for Wellness, ließen wir uns in Mein Blind Date mit dem Leben auch mit Behinderung nicht unterkriegen und genoßen die vielen guten Filme der Oscarsaison.

Und in der Cinemathek?

Dort konnte mich My first Lady und Florence Foster Jenkins am meisten begeistern.

The Boss Baby

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Am 30.03.2017 erschien ein neuer Animationsfilm aus dem Hause DreamWorks in den deutschen Kinos.

Er kam mit einem Taxi an, trägt einen Anzug, hat eine tiefe Stimme und verhält sich irgendwie merkwürdig. So beschreibt Tim seinen neuen kleinen Bruder. Während die Eltern nur noch für das Baby da zu sein scheinen, versucht der 7-jährige Tim herauszufinden, was genau mit seinem Bruder nicht stimmt.

Jeder, der das ältere Geschwisterchen ist, kennt den Moment, wenn einem die Eltern mitteilen, dass man bald kein Einzelkind mehr sein wird. Jeder geht mit dieser Nachricht anders um. Und dann irgendwann ist der große Moment da und der Storch kommt vorbei und bringt ein kleines schreiendes Baby vorbei. Die Babys kommen doch vom Storch, oder?
Nicht in The Boss Baby. Hier kommen die Babys vom Fließband und werden nach einem Test entweder zu den Familien gebracht oder ins Management von Baby Corp. Hier sorgen die Mitarbeiter, die bereits denken und sprechen wie Erwachsene, dass die Liebe der Menschen sich zum größten Teil auf Babys verteilt und nicht auf Hunde und ähnliches. Eines Tages wird das Boss Baby (im Film wird nie ein anderer Name genannt) zur Familie Templeton geschickt, um undercover Nachforschungen anzustellen. Während die Eltern Ted und Janice komplett in ihrer Elternrolle aufgehen und sich auch keineswegs wundern, wieso das Baby einen Anzug trägt oder im Taxi zur Familie kam, ist der 7-jährige Tim alles andere als begeistert, die Liebe seiner Eltern auf einmal teilen zu müssen. Gleichzeitig fallen ihm die eigenartigen Verhaltensweisen des Babys auf. Er ist sich sicher das Ganze auch beweisen zu können.
In The Boss Baby geht es primär um die Akzeptanz eines neuen Familienmitglieds und inwiefern sich dann das Familienleben ändert und wie man als Erstgeborenes damit umgeht. Dabei wird das Thema extrem überzogen dargestellt in Form eines sehr dominanten Babys.
Während Disney und Pixar Jahr für Jahr Filme produzieren, die sowohl viele lustige Szenen für die Kinder einbauen, als auch genug Thematik und Andeutungen haben, um auch bei den Erwachsenen gut anzukommen, tut sich DreamWorks mit The Boss Baby in der genauen Zielgruppe etwas schwer. Zu 75% ist der Film sehr stark auf die Zielgruppe der Kinder angelegt und daher auch sehr zuckersüß gestaltet, so dass Erwachsene eher wenig Gefallen an dem Film finden dürften. Dann aber gibt es noch die restlichen 25% in der die Dialoge sich sehr stark auf Dinge beziehen, die Kinder einfach noch nicht kennen, wie beispielsweise der Satz aus dem Trailer “Du hast eindeutig nicht BWL studiert”. Woher soll ein Kind wissen, was BWL ist? So ist es schwierig eine Empfehlung für den Film auszusprechen, weil man ihn keiner Zielgruppe zu 100% empfehlen kann.
Die Handlung selbst ist sehr vorhersehbar- abgesehen von einer Wendung zwischendurch, die doch überraschen konnte – und nach dem altbekannten Schema konstruiert. Die Charaktere waren allesamt sehr weichgespült und hatten wenig Tiefe. Auch die Gagdichte ließ zu wünschen übrig. Wenn das Publikum – also auch die Kinder – gerade einmal alle ca. 20 Minuten ein bisschen schmunzeln können, dann ist die Humorschiene definitiv verfehlt, andererseits legt der Film es aber genau darauf an. So nehmen die Schwächen des Films leider überhand und lassen die eigentlich süße Idee hinter dem Film in der Versenkung verschwinden. Im Endeffekt geht man aus dem Kino und hat den Film nach ein paar Minuten wieder komplett vergessen.

Die Idee bot Potenzial, aber die Umsetzung weist zu viele Mängel auf. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Smoke

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Werbung in den sozialen Medien kann sehr wirkungsvoll sein. Und als mir Smoke praktisch ständig irgendwo als Werbung entgegen sprang und dann die Idee auch noch interessant klang, wusste ich, ich wollte Smoke lesen.

Im London des 19. Jahrhunderts gibt es ein Phänomen, das alle betrifft. Rauch, der nach jeder Lüge, jedem schlechten Gedanken, jedem unanständigem Wunsch aus den Hautporen der Menschen dringt. In dieser Zeit leben die Schuljungen Charlie und Thomas, beide aus adligem Haus. Durch Zufälle werden sie in einen Strudel aus Intrigen, Manipulation und Verschwörungen mit hineingezogen, um hinter den wahren Grund des Rauchs zu kommen.

Was, wenn jeder böse Gedanke direkt sichtbar werden würde. Wenn man einem direkt ansehen würde, wenn er schlechte Absichten hat? Wie weit würden wir unser Denken einschränken und kontrollieren können? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich Autor Dan Vyletta in seinem Roman Smoke. Hier ist der Rauch allgegenwärtig und entströmt jedem, ungeachtet seiner Herkunft. Dabei wird der Rauch beinahe als denkendes Wesen beschrieben, das kleine Notlügen nicht beachtet, aber ansonsten bei jedem “Vergehen” oder falschen Gedanken aus allen Poren strömt. Leider versteckt sich Vyletta immer wieder hinter vagen Andeutungen über die genaue Funktionsweise des Rauchs, obwohl praktisch jeder Charaktere nur pausenlos daran denkt oder darüber redet. Trotzdem ist einem selbst nach den über 600 Seiten des Buches noch immer nicht so genau klar, was es denn mit dem Rauch auf sich hat, außer, dass er sehr schwer wieder von der Haut zu bekommen ist.
Gleichzeitig wird durch den Rauch die Gesellschaft noch deutlicher in Arm und Reich gespalten. Denn die Reichen werden schon von der Schulzeit an darauf getrimmt, möglichst wenig zu rauchen und auf Internaten immer wieder für Rauch bestraft. Gleichzeitig kommen teure “Hilfsmittel” dazu, die sich auch nur der adlige Teil der Bevölkerung leisten kann. So rauchen die Armen relativ unkontrolliert und nach all den Jahren auch ohne Scham.
Das Ganze spielt im London des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der England sich praktisch vom Rest der Welt abwendet. Keine Importe, keine Exporte, keine Reisen. Der Rauch kontrolliert praktisch das Denken. England steht in seiner Entwicklung still, weil auch keine Erfindungen des Kontinents auf die Insel kommen dürfen. Doch vereinzelt kommen Revolutionsgedanken auf. In eine dieser Gedankenspiele stolpern die Schuljungen Charlie und Thomas, beide adliger Abstammung. Sie verlassen den Schutz ihres Internats und untersuchen selbstständig die Hintergründe und Intrigen, die der Rauch hervorruft.
Smoke kommt mit 624 Seiten und einer neuen und interessanten Idee daher. Zunächst fing ich auch sehr begierig an zu lesen, bis die Probleme des Buches immer deutlicher wurden.
Das wohl größte Problem ist die Länge des Buches bei der wenigen Handlung, die erzählt wird. Vyletta verliert sich in unwichtigen Schritten und erzählt die Handlung sehr detailreich. Dabei verliert er aber das Wesentliche aus den Augen und selbst nach der Hälfte des Buches hatte man noch keine Ahnung, worauf es hinauslaufen soll. Ebenso werden die Kapitel aus der Sicht eines allwissenden Erzähler geschrieben. Allerdings ist es vielleicht ein Nachteil, dass dieser alle Gedanken der Charaktere kennt, denn leider beschreibt er uns diese auch immer wieder ausführlich. Leider doppeln sich die Gedanken sehr stark und zu 50% denken die Charaktere auch nur über den Rauch nach. Hier hätte man deutlich sparen können oder wirklich wichtige Gedanken aufschreiben können. Denn obwohl jeder Charakter viel Platz auf den Seiten bekommt, weiß man trotzdem nur wenig über ihre Beweggründe und Handlungsabsichten. Auch schiebt Vyletta nach jedem Kapitel ein Zwischenkapitel ein, das immer aus der Sicht eines Charakters geschrieben ist. Allerdings werden nur selten die Hauptcharaktere benutzt und vielmehr unwichtige Nebencharaktere, wie der Butler oder der Leibdiener. Diese haben weder einen Einfluss auf die Handlung, noch erzählen sie etwas wichtiges zur Handlung. Damit sind sie praktisch überflüssig. Erst gegen Ende des Buches wiederholen die Zwischenkapitel auch nicht mehr das im vorangehenden Kapitel beschriebene, sondern enthalten ein bisschen eigene Handlung.
Der zweite große Schwachpunkt des Buches sind seine Charaktere. Da keine besonders liebevoll charakterisiert wurde und man bei jedem über die Beweggründe im Dunkeln gelassen wird und sie praktisch nur über den Rauch nachdenken, erfährt man einfach nichts über sie. Dadurch sind sie so austauschbar, dass selbst Verletzungen und Todesfälle einen beim Lesen kalt lassen. Man fiebert nicht mit ihnen und dadurch zieht sich das Buch noch mehr, als es sich ohnehin schon durch die überflüssigen Kapitel zieht.
Insgesamt gesehen könnte man das Buch von 600 Seiten auf ca. 200 zusammenkürzen und hat immer noch alles wichtige erhalten. Dann könnte man konkretere Aussagen über den Rauch einfügen und die Charaktere richtig vorstellen. Selbst damit kommt man aber nicht auf über 400 Seiten. Aber dann könnte die Grundidee vielleicht interessant und spannend rübergebracht werden.

Alles in allem wurde die gute Grundidee sehr mühselig und wenig spannend umgesetzt. Hier wäre eindeutig mehr Potenzial vorhanden gewesen.

“Smoke” wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Cinemathek: Florence Foster Jenkins

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Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Florence Foster Jenkins. Der Film lief ursprünglich ab dem 24.11.2016 in den deutschen Kinos.

Madame Florence Foster Jenkins ist sehr wohlhabend, aber auch sehr krank. Ihr einziger Lebensinhalt ist die Musik. Da ihr das Klavierspiel durch eine Nervenschädigung verwehrt bleibt, singt sie für ihr Leben gerne Arien. Das einzige Problem an der Sache: Sie kann absolut nicht singen. Doch ihr Mann St. Clair Bayfield setzt alles daran, dass sie ihren Traum leben kann und niemals erfährt, wie schlecht sie singt.

Jahr für Jahr treten bei den verschiedensten Castingshows im deutschen Fernsehen Leute an, die unbedingt wollen, dass ihr Talent entdeckt wird. Gerade offene Gesangscastings zeigen aber schnell, dass nicht jeder das Talent hat, was er in sich selbst zu schlummern glaubt. Aber was, wenn man gar nicht auf die Castingshows angewiesen wär, sondern gleich das nötige Geld hätte, um Konzerte geben zu können oder gar Platten aufzunehmen?
Florence Foster Jenkins lebt praktisch nur für die Musik. Durch ein großes Erbe ist es ihr vergönnt, ihr ganzes Leben nach der Musik auszurichten. Bereits als Kind spielte sie begeistert Klavier und feierte Erfolge damit, doch nach einer Erkrankung, die unter anderem ihre Nerven schädigte, kann sie nicht mehr spielen. Also widmet sie ihr Leben nun auf andere Weise der Musik. Zum einen spendet sie immer wieder großzügig an verschiedene musikalische Einrichtungen, zum anderen singt sie für ihr Leben gern. Dafür engagiert sie extra einen Gesangslehrer von der Metropolitan Opera und den Klavierspieler Cosme McMoon. Dieser ist sehr überrascht, als er sie zum ersten Mal singen hört. Denn Madame Jenkins Gesang besteht aus einer Aneinanderreihung schiefer Töne und der Nichtachtung des Takts. Doch ihr Mann und ihr Gesangslehrer loben ihren Gesang in den höchsten Tönen. St Clair Bayfield, ihr Mann, setzt eine Menge Geld ein, damit immer nur ausgewählte Menschen ihren Gesang hören und sie hinterher loben können. Denn eine echte Kritik, so befürchtet er, könnte ihren Gesundheitszustand verschlechtern.
Florence Foster Jenkins ist ein etwas gespaltener Film. Denn zum einen thematisiert er eine unglaubliche Leidenschaft zur Musik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und einer tiefen Freundschaft. Andererseits spielt er 1944, also noch mitten im zweiten Weltkrieg und thematisiert nebenbei die schrecklichen Folgen einer Krankheit. Die Grundstimmung ist jedoch während des ganzen Films sehr positiv. Die “negativen” Aspekte, wie Krieg und Krankheit werden dabei dem Zuschauer etwas untergeschoben. So kann man Florence Foster Jenkins mit einer Leichtigkeit gucken und sich an Madame Jenkins Auftritten erfreuen, ohne genauer über die ganzen Umstände nachzudenken. Trotzdem trifft einen gleichzeitig ihre Geschichte, denn sie singt sich – trotz schiefer Töne – in die Herzen der Zuschauer.
Das liegt vor allem an Meryl Streeps Schauspielkünsten. Diese schwanken bekanntlich von Film zu Film, aber als Florence Foster Jenkins ist sie wieder in Höchstform. In einem Interview sagte sie, dass für sie die größte Hürde der Rolle war, wirklich schief zu singen. Bereits in Mamma Mia zeigte sie, dass sie eigentlich singen kann und auch für Florence Foster Jenkins arbeitete sie mit einem Lehrer für Arien zusammen. Erst kurz vor Drehbeginn musste sie lernen diese Lieder schief zu singen. Vor allem die Überwindung zu haben Lieder bewusst schief zu singen, im Bewusstsein, dass jeder der dies hört unweigerlich anfangen wird zu lachen. Chapeau Mrs Streep!
Die übrigen Schauspielleistungen siedeln sich souveränen Bereich an und stechen nicht heraus. Lediglich Simon Helbergs Synchronstimme scheint nicht so richtig zu seiner Rolle zu passen. Sie spricht sehr hoch und piepsig und schafft die Betonungen der Mimik nicht widerzuspiegeln.
Der Film erzählt die Geschichte sehr geradlinig, ohne Schnörkel oder überflüssige Dialoge. Dabei überzeugt vor allem das Gute Herz von Madame Jenkins, was den Film so sehenswert macht. Ein richtiger Spannungsfaktor kommt nur bedingt auf, ist bei diesem Film aber auch überflüssig.

Alles in allem ein Film, der die Herzen berührt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Ghost in the Shell

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Am 30.03.2017 erschien ein Film, der auf einem Manga basiert, in den deutschen Kinos.

Major ist selbst in ihrer futuristischen Welt noch einzigartig, denn zum ersten Mal wurde ein menschliches Gehirn in einem androiden Körper verpflanzt. Nun arbeitet sie als Agentin für die Eliteeinheit Sektion 9. Bei einem Einsatz treffen sie auf eine terroristische Verschwörung, die es auf die Köpfe hinter Hanka Robotics, der führenden Firma für androide Ersatzteile, abgesehen haben und Major muss feststellen, dass das, was sie zu wissen glaubt, vielleicht nicht ganz die Wahrheit ist.

Ghost in the Shell basiert relativ lose auf dem gleichnamigen Manga und orientiert sich eher an dem 1995 erschienenen Anime. Allerdings wurden auch hier nur die wenigsten Elemente übernommen und stattdessen eine neue Handlung erdacht. Geblieben ist das Grundszenario und der Handlungsort. Eine kurze Zusammenfassung zu dem Film zu geben, wie oben versucht, ist sehr schwierig, weil man entweder zu wenig sagt, um es verständlich auszudrücken, oder gleich wieder zu viel sagt und daher spoilert.
Fangen wir also ganz am Anfang an und entschlüsseln erst einmal den Namen des Films. Ghost in the Shell spielt in einer undefinierten Zukunft, in der die Menschen sich durch androide Ersatzteile “verbessern” können. Führend in dieser Branche ist Hanka Robotics. Doch die Forscher sind damit nicht zufrieden und versuchen daher ein menschliches Gehirn den “Ghost” in einen kompletten androiden Körper den “Shell” zu verpflanzen. Also ist der “Ghost in the Shell” ein Androide mit menschlichem Gehirn. Hanka Robotics gelingt auch dieser Versuch bei Major. Hinterher kann sie sich an nichts mehr erinnern, aber ihre Ärztin und Vertraute Dr. Ouelet erzählt ihr, dass sie und ihre Familie auf einem Flüchtlingsboot waren und von Terroristen angegriffen wurden. Ihre Familie wurde dabei getötet und auch ihr menschlicher Körper zerstört. Soweit zu den ersten fünf Minuten des Films. In der nächsten Szene sehen wir eine futuristische asiatische Stadt, die nicht genauer benannt wird. Überall flimmern Hologramme mit Werbungen über die Stadt. Major ist inzwischen der Eliteeinheit Sektion 9 beigetreten, die Jagd auf Terroristen macht. Beim folgenden Einsatz wird einer der führenden Köpfe von Hanka Robotics zuerst gehackt und dann getötet. Bei der Verfolgung des Mordes stoßen die Mitglieder auf Kuze, der hinter den Attentaten steckt. Er hat es noch auf weitere Mitglieder von Hanka Robotics abgesehen. Auf der Jagd nach ihm, erfährt Major immer mehr von seinen Beweggründen und muss ihre wieder neu hinterfragen. Denn die Nachforschungen bringen Geheimnisse ans Licht, die gut verborgen waren.
Ghost in the Shell ist mit 107 Minuten ein relativ kurzer Actionfilm, zumal er uns in eine neue Welt entführt, die auch erst erklärt werden müsste. Aber genau diesen Teil versucht der Film zu überspringen und stellt den Zuschauer vor vollendete Tatsachen. Die Stadt ist einfach da, die Figuren auch. Was hinter Hanka Robotics und Sektion 9 steckt und in wie weit alles zusammengehört, bleibt bis zum Ende des Films offen. Stattdessen wird sich rein auf viele bildgewaltige Actionsequenzen konzentriert. Auch am Dialog wird stark gespart. Gesprochen wird nur, wenn es absolut notwendig ist. So ist am Ende des Films alles und doch irgendwie nichts gesagt. Bedeutet: Alles, was im Film wirklich thematisiert wurde, also alles rund um Kuze und seinen Attentaten, wurde aufgeklärt. Aber alles andere, Hintergründe, Geschichten, ähnliches, wird nicht mal erwähnt. Einziger Vorteil ist, dass die langatmige Diskussion, ob es schlau ist sich mit androiden Ersatzteilen “verbessern” zu lassen oder welche Gefahren das birgt. Abgesehen von einem kurzen Dialog von Majors Kollegen, wird das Thema nicht angeschnitten. Keine halb verborgene Moral über die Macht, die Androiden irgendwann über uns haben könnten und keine Diskussion über die Möglichkeit des Missbrauchs durch Hacker. Danke an die Macher des Films, dass sie uns das erlassen haben. Allerdings haben sie uns auch praktisch alles andere erlassen. Beispielsweise Charaktertiefe. Gerade einmal eine Handvoll von Charakteren hat genügend Screentime, um überhaupt einen Charakterzug zu bekommen. Doch selbst dann sind sie sehr platt oder am Ende des Films noch immer undefiniert. Nehmen wir beispielsweise Majors Kollegen Batou. Während des Films merkt man, dass er nicht nur der große Schlägertyp ist, sondern auch irgendwo die gute Seele der Sektion 9. Der große Bruder für alle anderen, so dass man ihm vertrauen kann und er sich immer um das Wohlergehen der Anderen sorgt. Das sind genau zwei Charaktereigenschaften, und damit ist er für die Maße des Films gut charakterisiert.
Wirklich sehenswert ist Ghost in the Shell lediglich, wenn man überhaupt keine Ansprüche an die Handlung stellt, sondern sich lediglich ein paar spektakuläre Actionszenen in einer futuristischen Welt ansehen möchte. Denn genau dann birgt Ghost in the Shell großes Potenzial und hat jede Menge Energie in das Leinwandbild gesteckt. So kann man durchaus zufrieden aus dem Film hinaus kommen. Doch sobald man anfängt ein bisschen mehr über den Film nachzudenken, fallen die Mängel unweigerlich auf.

Alles in allem hatte Ghost in the Shell großes Potenzial, das leider nicht genutzt wurde. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im März 2017

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Hallo ihr Lieben,
wir haben endlich April! Und ich sage endlich, weil es diesen Monat mit meiner besten Freundin nach London geht und ich mich bereits tierisch darauf freue! Aber hier erst einmal die monatliche Übersicht der Filme, die ich im März leider nicht im Kino sehen konnte.

1) der junge Karl Marx: Ein deutscher Film über den Verfasser des Kapitals und wie er auf Friedrich Engels traf. Vermutlich kein Film für die große Leinwand, deswegen habe ich den Film auf das Heimkino verschoben.

2) Moonlight: Der diesjährige wirkliche Oscargewinner. Vielfach gelobt und mit Preisen überhäuft. Trotzdem hat er nicht in meinen Terminplan gepasst, wird aber definitiv noch nachgeholt.

Und hier noch die Filme, die es ganz knapp nicht auf meine Liste geschafft haben:

Die rote Schildkröte, Die Schöne und das Biest, A united Kingdom

Cinemathek: Morris aus Amerika

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Willkommen in der Cinemathek, heute mit Morris aus Amerika. Der Film lief ursprünglich ab dem 03.11.2016 in den deutschen Kinos.

Morris ist aus Amerika, musste aber nach dem Tod seiner Mutter zu seinem Vater nach Heidelberg ziehen, weil dieser hier einen Trainerjob hat. Er tut sich schwer die Sprache zu lernen und möchte eigentlich gerne Rapper werden. Doch Freunde findet er auch keine, bis er auf Katrin trifft.

Man stelle sich vor, man wird mit 13 Jahren aus seinem normalen Leben gerissen und muss in ein fremdes Land ziehen, in dem man die Sprache nicht spricht und niemanden kennt, außer den eigenen Vater, der aber wiederum den ganzen Tag arbeiten ist. So ist man größtenteils auf sich allein gestellt. Nun die Situation ist vielleicht kein Einzelfall, wird aber in Morris aus Amerika aufgegriffen.
Wir lernen zunächst Morris und seinen Vater beim Musik hören kennen. Schon hier merkt man, dass sie beiden eigentlich ein sehr kumpelhaftes Verhältnis haben und es Morris teilweise schwer fällt, seinen Vater als Respektperson ernst zu nehmen. Beide kommen ursprünglich aus Amerika, genauer gesagt aus New York. Jetzt wohnen sie in Heidelberg, Deutschland, weil sein Vater Curtis hier einen Job als Fußballtrainer angenommen hat. Morris Mutter ist erst vor kurzem verstorben und gerade Curtis hat den Tod noch nicht überwunden und fragt sich immer wieder, wie er ohne sie Morris groß ziehen soll. Morris spricht bisher nur gebrochenes Deutsch und besucht daher eine Deutschlehrerin, die ihn gleichzeitig ermuntert in den Sommerferien ein Jugendzentrum aufzusuchen und dort Freunde zu finden. Widerwillig geht Morris tatsächlich zu diesem Jugendzentrum. Doch dort trifft er nur auf Vorurteile. Die anderen Kinder hänseln ihn, weil er etwas dicker ist und nennen ihn abwertend „Big Mac“. Die einzige, die ein bisschen Interesse an ihm zu haben scheint ist die 15-jährige Katrin. Allerdings bringt sie Morris auch immer wieder in Schwierigkeiten.
Morris aus Amerika ist ein Film, der sich nicht so ganz sicher zu sein scheint, was er aussagen möchte. Zum einen nimmt er sich dem Thema Integration an und wie schwer es einem dabei gemacht werden kann. Gleichzeitig auch die Entfremdung der eigenen Kultur, wenn man auf eine neue trifft. Andererseits aber auch die Rebellion von Teenagern und der schwierigen Erziehung dieser. Da sich der Film nicht entscheiden kann, bezieht er alle Themen mit ein und sagt einfach gar nichts aus. Die 91 Minuten Laufzeit tröpfeln so vor sich hin, ohne das wirklich etwas passiert. Ständig wartet man darauf, dass wenigstens ein Thema genauer beleuchtet wird, doch nichts passiert. Stattdessen gibt der Film leere Phrasen wieder – wenn überhaupt mal ein richtiger Dialog geführt wird, was selbst schon relativ selten vorkommt – und versteckt sich hinter Vorurteilen.
Auch die Charaktere sind sehr eindimensional. Morris ist der dicke schwarze Junge aus Amerika. Deswegen mag er unweigerlich Rap und will natürlich Rapper werden. Weil seine Rap-Vorbilder natürlich nur über Nutten, Sex, Alkohol und Beleidigungen schreiben, können auch seine Texte nur davon handeln. Naiv lässt er sich von Katrin immer wieder in Schwierigkeiten bringen, obwohl er natürlich irgendwo weiß, dass sein Handeln falsch ist. Damit ist er aber auch noch der am besten charakterisierte Charakter des Films. Denn Katrin ist einfach nur diejenige, die komplett gegen ihre Eltern rebelliert, ohne das man weiß, wieso sie das tut, oder was ihre Eltern ihr getan haben. Deswegen raucht sie, nimmt Drogen, geht immer wieder heimlich auf Partys und hat natürlich einen Studenten als Freund, der sie auch schon zum Sex verführen will. Während dies alles in das Klitschee ihrer Rolle passt, hat sie doch irgendwo ein Interesse an Morris. Man weiß nicht wieso, denn es scheint über das allgemeine „Lass uns über Morris lustig machen, weil er dick ist“ hinaus zu gehen. Sie schleppt Morris mit auf Partys und will ihn zum Rauchen und zum Drogen nehmen verführen, scheint ihm damit aber nicht schaden zu wollen. Hier verliert sich der Film dann gänzlich und erzählt praktisch nichts mehr.
Curtis ist der typische frisch gebackene alleinerziehende Vater. Er ist mit der Erziehung überfordert, trauert noch immer und muss gleichzeitig versuchen den Lebensunterhalt für sich und Morris zu verdienen. Daher arbeitet er viel und lange und hat wenig Zeit für Morris. Trotzdem versucht er alles, um ein guter, aber auch ein cooler Vater zu sein.
So verliert Morris aus Amerika sich in Vorurteilen, nichtssagenden Dialogen und hat auch nach 91 Minuten noch keine Aussage getroffen. Das einzig wirklich positive am Film ist die wunderschöne Kulisse der Stadt Heidelberg (und ja ich bin voreingenommen, denn ich halte Heidelberg für die schönste Stadt Deutschlands!).

Ein Film, der sich besser aus ein Thema konzentrieren und seinen Charakteren sinnvolle Handlungen geben sollte. Für diese doch sehr schwache Leistung gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Power Rangers

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Am 23.03.2017 erschien ein Film, der die Serie über die Power Rangers wieder aufgriff, in den deutschen Kinos.

Die Schüler Jason, Kim und Billy lernen sich beim Nachsitzen kennen. Zusammen mit Trini und Zack, die sie zufällig bei einer Goldmiene kennenlernen, finden sie besondere Steine, die sie mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Bei ihrer Suche nach Antworten finden sie ein versunkenes Raumschiff und erfahren von ihrer Bestimmung Power Rangers zu sein. Zeitgleich taucht die böse Rita Repulsa auf.

Das Theme „Go go Power Rangers“ dürfte jedem auf die ein oder andere Art etwas sagen, auch wenn man die Serie selbst nie gesehen hat. Diese hat seit 1993 24 Staffeln und zuvor schon zwei Filme hervorgebracht. Dies ist nun der dritte und am größten inzinierte und dient als kompletter Reboot des Franchise. Gleichzeitig kündigte Serienschöpfer Saban insgesamt sechs Films an. Ob dies nach der Leistung des ersten Films wirklich vom Produktionsstudio genehmigt wird, bleibt fraglich.
Aber fangen wir ganz am Anfang an. Jason war einst einer der beliebtesten Schüler und sehr guter Footballspieler. Doch dann geriet er mit dem Gesetz in Konflikt und muss seitdem nachsitzen. Dort lernt er Kim, einst eine beliebte Cheerleaderin, nun von ihren Freundinnen ausgegrenzt, und Billy kennen, einen Autisten. Zunächst scheint sie nicht viel zu verbinden. Doch Billy überredet Jason ihn zu einer Goldmine zu fahren, an der Billy immer mit seinem inzwischen verstorbenen Vater gegraben hatte. Jason stimmt nach einigem Zögern zu. Während Billy einen Sprengsatz anbringt, trifft er durch Zufall auf Kim. Angelockt von Billys Explosion treffen sie auch noch auf Trini und Zack, die sich ebenfalls im Umfeld der Mine herumgetrieben haben. Billys Explosion hat jedoch merkwürdig schimmernde Steine zum Vorschein gebracht. In der Hoffnung damit reich zu werden, nimmt jeder der fünf einen der Steine mit. Doch am nächsten Tag wachen sie zu Hause auf, ohne zu wissen, wie sie nach Hause kamen und haben alle verstärkte Kräfte. Sie beschließen die Mine noch einmal aufzusuchen und zu untersuchen. Dabei finden sie ein verstecktes Raumschiff und erfahren, dass sie auserwählt wurden die neuen Power Rangers zu sein. Doch die Ruhe bleibt nicht lange erhalten, denn zeitgleich mit ihren Steinen ist auch die böse Rita Repulsor wieder erwacht. Und ihr Ziel die Rangers zu töten und die Erde zu vernichten ist noch immer in der Umsetzung.
Man könnte bei Power Rangers lobend erwähnen, dass der Film sich genug Zeit nimmt, um alle Charaktere vorzustellen und um ihnen Tiefe zu geben. Allerdings nimmt der Film sich nicht nur genug, sondern eher viel zu viel Zeit. Über zwei Drittel des Films befasst sich lediglich damit, dass die fünf Rangers Freunde werden müssen, um ihre Panzerung zu bekommen. Nun gut, könnte man denken, immerhin sollen sie noch fünf weitere Filme zusammen kämpfen, da ist es dann doch wichtig die Charaktere gut vorzustellen. Grundsätzlich ja, doch leider tut Power Rangers genau dies nicht. Denn ein Drittel lang, hört man von jedem Charakter ein “Ihr kennt mich gar nicht und ihr wisst nichts über mich”. Erst im zweiten Drittel des Films wird überhaupt versucht dies zu ändern. Leider sagen die Dialoge, in denen den Charakteren Tiefe gegeben werden soll, beinahe überhaupt nichts aus, so dass man sich hinterher immer noch fragte, wieso wer warum so gehandelt hat. So zieht sich der Film am Anfang doch stellenweise stark, weil man nun unbedingt die großen Geheimnisse wissen will, aber praktisch nichts ausgesagt wird.
Auch Rita Repulsor als Gegnerin der Rangers wird sehr eindimensional dargestellt. Sie ist einfach nur Böse. Keinen Hintergrund, weswegen sie so geworden ist. Auch wurden ihr sehr holprige Textpassagen zugesprochen, die ohne das schauspielerische Talent von Elizabeth Banks, die schon in den Tributen von Panem-Verfilmungen bewies, dass sie außergewöhnliche Rollen spielen kann, wohl eine einzige Lachnummer gewesen wäre. Doch Banks ist es wohl auch zu verdanken, dass Rita Repulsor immer als ernstzunehmende Verrückte wahrgenommen wird. Selbst als sie ein übergroßes Monster erschafft, wo sie gerade mal so groß wie dessen Fuß ist, bleibt sie Selbstsicher und wirkt so auch immer noch bedrohlich. Hier Chapeau vor der Schauspielerin, die einen schlecht geschriebenen Charakter doch noch vor der Lachnummer bewahren konnte.
Die Power Rangers selbst wurden mit jungen Nachwuchsschauspielern besetzt, die bisher eher wenig Erfahrung vor der Kamera hatten. Trotzdem spielen sie ihre Rollen sehr souverän, auch wenn ihnen noch die ein oder andere Feinheit in der Mimik fehlt.
Letztendlich bleibt zu Power Rangers nur zu sagen, dass das Drehbuch deutliche Schwächen aufweist, die Dialoge mitunter etwas holprig sind, durch die lange Einführungsphase der Film mit Längen kämpft und auch die gut gestaltete Endschlacht keine Spannung mehr mit sich brachte. So fehlt im Großteil des Films die Action, stattdessen entwickelte es sich mitunter zu einem Teenagerdrama. Trotzdem schafft der Film es einen ganz eigenen trashigen Humor zu entwickeln, der gerade im Zusammenspiel mit den Schwächen des Films funktioniert. Gerade weil Power Rangers sich stellenweise selbst nicht so ganz ernst nimmt, funktioniert er auf dieser Ebene sehr gut, so dass man sich über die Schwächen hinwegsehend doch gut amüsieren kann.

Alles in allem sollte man den Film nicht zu ernst nehmen. Durch die deutlichen Schwächen ist es aber unwahrscheinlich, dass er den erwünschten Erfolg bringt, um wirklich noch fünf Fortsetzungen zu drehen. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Rammstein – Live aus Paris

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Am 23.03.2017 brachten über 1000 Kinos Weltweit den neuen Rammstein-Livefilm auf die große Leinwand. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

2012 war Rammstein auf Tournee und spielte auch mehrere Konzerte in Paris. Jonas Åkerlund hat bei zwei dieser Konzerte über 40 Kameras installiert und das ganze Spektakel gefilmt. Nun fünf Jahre später ist der Film endlich fertig geschnitten und konnte auf die große Leinwand gebracht werden.

Rammstein ist für drei Dinge bekannt. Zum einen für ihren sehr eigenen Musikstil, den sie selbst als “neue deutsche Härte” bezeichnen. Zum anderen für ihre umstrittenen Texte, bei denen sie Themen ansprechen, diese aber in ihren Texten immer unkommentiert lassen, so dass sie jeder für sich selbst interpretieren kann. Und zu guter Letzt für ihre spektakulären Bühnenshows. Schon seit ihren ersten Konzerten versuchten Rammstein immer eine gute Show zu liefern, egal, wie viele Menschen im Publikum stehen. Inzwischen ist jedes ihrer Konzerte innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Mit ihren stolzen Ticketpreisen – eine große Pyroshow muss auch finanziert werden – schaffen sie es ihre Show jedes Mal noch etwas aufregender zu gestalten, auch wenn sie viele Grundelemente regelmäßig übernehmen.
Doch wie schafft man es nun diese Show, die auch zum großen Teil von den Emotionen des Liveschauens lebt, auf die Leinwand zu bannen. Und wo liegt der Mehrwert für den Zuschauer – außer das der Eintrittspreis im Kino deutlich geringer ist? Jonas Åkerlund, der bereits für mehrere Musikvideos mit Rammstein zusammen arbeitete, stellte sich nun dieser Herausforderung. So vereinte er die Bühnenshow mit Elementen des Musikvideos und versuchte durch seine über 40 Kameras, die er vor der Show installierte, alles einzufangen und durch verschiedene Winkel, Weit- und Nahaufnahmen eine abwechslungsreiche Sicht auf die Dinge zu geben. Dies gelingt ihm sehr gut, so dass man sich immer wie mittendrin statt nur dabei fühlt. Zudem schafft er es durch gelungene Überblendungen das Kunstwerk Rammstein noch mehr in den Vordergrund zu stellen.
Und was ist nun der Vorteil für den Zuschauer das ganze Spektakel im Kino zu sehen? Nun für mich mit meinen 1,55m ist es wohl an erster Stelle, dass ich alles sehen konnte. Denn in der Menge beim Konzert wäre ich komplett untergegangen und hätte daher wenig von der Show gehabt. Zum anderen natürlich der Preis. Und zu guter Letzt ist die Sicht uneingeschränkt, heißt man ist nicht vom Blickfeld seines Standpunktes abhängig, sondern sieht alles von der Show, mit den zusätzlichen Elementen, die Akerlund einbaute. Der Vorteil den Film im Kino und nicht später zu Hause auf DVD zu sehen, ist natürlich die Größe der Leinwand und die gute Soundanlage eines jeden guten Kinos.
Während ich zum Kinoevent “Rammstein in Amerika” einige Kritikpunkte am Publikum losließ, muss ich bei diesem zweiten Event einiges loben. Da ich bekanntermaßen nicht mehr in Leipzig wohne, habe ich bei diesem zweiten Event auch nicht mehr im Cinestar Leipzig gesessen. Mein neues Kino hielt es zum Glück für überflüssig eine zweite Securitykontrolle einzuführen und beließ es beim einfachen Karten einscannen, was das Hineingehen viel entspannter gestaltete. Während in Leipzig größtenteils ein sehr junges Publikum bei Rammstein in Amerika zu finden war, bevölkerte nun die “ältere” Generation das Kino. Das brachte den Vorteil mit sich, dass alle viel mehr Lust auf das Konzert hatten. Dies spürte man auch während der einzelnen Lieder. Es stand zwar auch diesmal keiner auf, aber trotzdem wurden diesmal die Köpfe geschwenkt, applaudiert und Jubelpfiffe ertönten. So kam zumindest leichte Konzertatmosphäre auf.

Logan

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Am 02.03.2017 kam der finale Teil der Wolverine-Trilogie in die deutschen Kinos.

Viele Jahre nach seinem letzten Abenteuer ist Wolverine gealtert und seine Heilungsmutantenkräfte funktionieren nicht mehr richtig. Mutanten gibt es kaum noch. Nur Charles Xavier vegetiert in einem alten Tank vor sich hin, seine Mutantenkräfte hat er auch nicht mehr richtig unter Kontrolle. Bis eines Tages eine junge Frau in aufsucht und um Hilfe bittet. Widerwillig wird Wolverine der Beschützer der kleinen Laura, die seltsamerweise ähnliche Kräfte, wie er zu haben scheint.

Bei den X-Men Filmen ist es immer ein bisschen schwierig die Zeitlinie zu verstehen, da es sich inzwischen um drei verschiedene Trilogien handelt, die sich auch noch teilweise überschneiden. Logan gehört zur Wolverine-Trilogie und bildet den Abschluss. Der erste Teil “X-Men Origins: Wolverine” kam 2009 in die Kinos und erzählte die Geschichte vom Mutanten Wolverine ehe er zu den X-Men stieß. Hier wurde vor allem stark kritisiert, dass der Film sehr verweichlicht sei, da er unbedingt zur Zielgruppe passen wollte und daher eine “Ab 12 Jahren”-Freigabe brauchte. 2013 folgte der zweite Teil “Wolverine: Wege des Kriegers” und spielte in Japan. Damit unterschied er sich stark von allen vorherigen X-Men Filmen und brachte das Thema der Sterblichkeit zum ersten Mal zur Sprache. Nun haben wir das Jahr 2017 und der letzte Teil trägt den passenden Namen Logan und schlägt zum ersten Mal im Superhelden-Genre einen ganz anderen Ton an und traut sich als zweiter Teil nach Deadpool an eine “Ab 16 Jahren”-Freigabe

Gleich zu Anfang des Films merken wir, dass einige Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Teil vergangen sein muss. Denn wir treffen auf einen Wolverine, der stark gealtert ist und sich mitunter kaum noch auf den Beinen halten kann – was allerdings auch an seinem starken Alkoholkonsum liegen kann. Gleichzeitig ist der erste Kampf sehr viel brutaler, als wir es bisher sahen. Logan ist inzwischen Chauffeur und versucht mit seinem Gehalt auf ein Boot zu sparen. Er pendelt regelmäßig zwischen seinem Arbeitsplatz und einer alten verlassenen heruntergekommenen Schmelzanlage. Hier versteckt er Prof. Charles Xavier, einst der brillianteste Kopf der X-Men und deren Anführer. Doch eine neurodegenerative Erkrankung macht aus dem einst brillanten Kopf eine unkontrollierbare Gefahr. Mutanten wurden schon seit Jahren keine mehr geboren und die beiden ehemaligen X-Men müssen einsehen, dass sie vielleicht doch nicht die nächste Evolutionsstufe waren, sondern nur eine Laune der Natur. Doch eines Tages sucht eine Frau Logan auf und bittet ihn um Hilfe. Er soll sie und ihre Tochter Laura an einen sicheren Ort nach North Dakota bringen. Obwohl er sich strikt weigert, wird Logan doch mit hineingezogen und muss mit Charles und Laura fliehen.
Filme aus dem Superhelden-Genre sind meist sehr bunt, sehr actionlastig und voller Humor. Die Humorschiene trifft vor allem das Marvel Cinematic Universe regelmäßig. Das DC Cinematic Universe hat bereits mehrfach versucht einen düsteren Ton anzustimmen, ist aber meistens über ihre eigenen Bemühungen gestolpert – wie zuletzt bei Suicide Squad. Die X-Men Filme standen meist im Schatten des großen Vorbildes Marvel, bedienten aber auch die gängigen Klischees. Logan jedoch ist in gelb und brauntönen gehalten und hat nur wenig Farbanteile, hat auch einige gute Actionszenen, aber bei weitem weniger als noch die Vorgängerfilme und auch der Humor wurde stark gedrosselt. So bricht Logan mit allen Erwartungen und schafft eine neue Art des Superhelden, nämlich der Gealterte.
Kann man noch ein Superheld sein, wenn man langsam gebrechlich wird? Wie soll man die rasanten Kämpfe ausfechten, wenn einem die eigenen Kräfte, sowohl Mutantenkräfte, als auch die ganz normale Kraft eines jeden Menschen, die mit dem Alter immer geringer wird, verlassen? Kann man dann noch immer ein Held sein? Genau dies ist das Hauptthema in Logan. Wir erleben von der ersten Sekunde an einen geschwächten Wolverine. Seine Klingen fahren nicht mehr ganz korrekt aus, seine Heilungskräfte versagen und auch seine restliche Muskulatur ist geschwächt. Er wehrt sich dagegen, doch muss immer mehr feststellen, dass er teilweise auch auf Hilfsmittel angewiesen ist. Die ganze Situation, gepaart mit der Tatsache, dass die Mutanten so gut wie ausgestorben sind, lässt Logan immer mehr Alkohol konsumieren. So spiegelt er irgendwo auch den resignierten Held wieder. Trotzdem handelt es sich bei Logan um einen Superheldenfilm, denn Wolverine wird, obwohl er alles versucht, um es zu vermeiden, in einen Auftrag hineingezogen. Jetzt muss er beweisen, was noch in ihm steckt und wie viel er noch immer aushalten kann.
Das zweite große Thema ist das Familienleben. Wolverine versuchte bereits häufiger häuslich zu werden, doch gelang es ihm nicht. Das Leben als richtige Familie hat er nicht kennengelernt. Umso bizarrer ist es, als er auf der Flucht immer wieder Laura als seine Tochter und Xavier als seinen Vater ausgeben muss. Wie stellt man eine Familie da, wenn man eigentlich keine ist? Und können trotzdem familiäre Gefühle auftreten? Das sind weitere Fragen, die Logan versucht zu beantworten.
Natürlich muss es auch in Logan wieder einen Bösewicht geben, der die drei verfolgt. Hier wurde wieder einmal auf das Klitschee des bösen Wissenschaftler zurückgegriffen, womit sich auch der Kreis seit dem ersten Wolverine-Solofilm schließt. Dort erhielt Wolverine nämlich durch Experimente seine Alamantium-Klingen. Zeitgleich bringt Logan noch neue Ideen mit ein, was das Klitschee des Bösewichts zwar verstärkt, sich aber von den anderen X-Men Filmen wieder abhebt.
Trotz der düsteren Grundstimmung schafft es Logan auch immer wieder hoffnungsvolle Momente einzubringen und durch einen exzellent ausgewählten Soundtrack, der überwiegend auf ruhigere Klänge setzt, immer die passende Stimmung zu vermitteln. Durch die Anpassung der Freigabe auf “Ab 16-Jahren” wurden die einzelnen Kämpfe zwar brutaler als die Vorgängerfilme und es wurde bei weit weniger Szenen weggeblendet. Trotzdem trifftet Logan nicht ins Übertriebene ab, sondern zeigt eher die brutale Wahrheit bei Kämpfen mit Alamantium-Klingen. Die Schauspielleistungen bleiben auf dem bekannten Niveau, vor allem vom Hugh Jackman und Patrick Stewart. Die neuen Darsteller reihen sich mit ein und treffen in der Darstellung genau den richtigen Ton.
So schafft es Logan eine gute Leistung abzuliefern, nebenbei das Superheldengenre auf ein ganz neues Niveau zu bringen und trotzdem Spannung zu schaffen. Trotzdem hängt der Film an manchen Stellen. Ich fühlte mich nicht richtig abgeholt und an manchen Stellen nimmt der Film sich auch einfach zu ernst bzw. wird zur schweren Kost. Vielleicht lastete auf mir auch einfach nur die Tatsache, dass ein lange existierender Held, immerhin erschien der erste X-Men Film bereits 2000, nun alt ist und ebnet den Weg für das Unausweichliche. Irgendwann werden auch meine anderen Helden alt sein.

Alles in allem ein gelungener und runder Abschluss der dritten X-Men-Reihe. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.